Mit Mathe Kompetenzen fürs Leben erwerben
(red/pm) Ist der Einsatz neuer Unterrichtsformen im Schulunterricht Zeitverschwendung? Die Lernforschung sagt nein - und zwar dann nicht, wenn diese den Schülern erlauben, selbst zu forschen und den Bezug zum Leben herzustellen.
30.07.2012 ArtikelDoch der Einsatz neuer Unterrichtsformen im Schulunterricht wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert: Anhänger alt bewährter Unterrichtsmethoden, bei denen der Lehrer mathematische Regeln erklärt und die Schüler/innen danach die Regeln in vielen Aufgaben üben, betrachten den Einsatz neuer Unterrichtsformen als ineffizient und somit als Zeitverschwendung.
Demgegenüber betont die Lernforschung die Wichtigkeit dieser neuen Unterrichtsformen, um die Begeisterung von Schüler für das Lernen über die gesamte Ausbildungszeit zu erhalten und nachhaltige Lernzuwächse zu sichern.
Auch das EU-Projekt PRIMAS setzt sich für die europaweite Verbreitung einer neuen Unterrichtsform, dem sogenannten forschenden Lernen, ein, um Schüler für das zumeist unbeliebte Unterrichtsfach Mathematik über die Dauer ihrer Schulzeit hinaus zu begeistern. Lebensnahe Aufgaben sollen es den Schülern ermöglichen, einen besseren Bezug zwischen dem Unterrichtsfach Mathematik und ihrem Lebensalltag herzustellen – die bisherigen Unterrichtsmethoden bieten dafür kaum eine Möglichkeit.
Unterrichtsaufgabe: Lohnt eine Saisonkarte?
Anstatt eintönige Mathegleichungen zu bezwingen, sollen sich Schüler künftig auf forschende Art und Weise Matheproblemen nähern. So erforschen sie im Rahmen von PRIMAS beispielsweise, ob es sich angesichts der unbeständigen Wetterverhältnisse in diesem Sommer überhaupt lohnt, eine Saisonkarte für das ortsansässige Freibad zu erwerben. Auch entdecken die Schüler, was an Mathematik in einem Morgen steckt, etwa wie lange ein Mensch in seinem Leben Zähne putzt. Die Projektkoordinatorin Prof. Dr. Katja Maaß weist darauf hin, dass "die Schüler bei der Bearbeitung derartiger Fragestellungen Kompetenzen erwerben, die sie in ihrem späteren Leben, sowohl im Beruf als auch privat benötigen: Die Schüler lösen selbständig unbekannte, realistische Probleme, eignen sich neues Wissen an und arbeiten im Team. Außerdem wird bei den Schülern die Forscherlust geweckt".
Schüler wie auch Lehrkräfte, die am Projekt PRIMAS teilnehmen, bestätigen die positive Wirkung der neuen Unterrichtsform des forschenden Lernens und verweisen auf langfristige Lernzuwächse seitens der Schüler. Falk Böhm, Schüler der Klasse 8c des Friedrich-Gymnasiums in Freiburg meint dazu: "Es ist halt die Frage, ob man lieber schnell paukt, wovon nur die Hälfte hängen bleibt, oder weniger, wovon fast alles hängen bleibt." Ihm machen solche lebensnahen Aufgaben Spaß und er glaubt, dass er dadurch in der Mathematik besser wird.
"Langfristig bleibt mehr hängen"
Der Mathematiklehrer Patrick Bronner der 8c führt an, dass die Unterrichtsvorbereitung zwar zunächst etwas aufwendiger sei, aber auch abwechslungsreicher. "Auch im Unterricht ist es viel lebendiger. Zwar muss ich im Unterricht für die Bearbeitung der lebensnahen Aufgaben im Vergleich zu herkömmlichen Matheaufgaben mehr Bearbeitungszeit einplanen, damit die Schüler die Probleme ausreichend erforschen können, allerdings bleibt bei den Schülern langfristig gesehen auch mehr vom Unterrichtsstoff hängen und sie sind mit Freude dabei. Es braucht freilich alles etwas mehr Zeit, aber Zeitverschwendung ist das angesichts der Lernerfolge der Schüler überhaupt nicht."
Die Begeisterung von Schüler für die mathematischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen ist der europäischen Union ein wichtiges Anliegen. Drei Millionen Euro lässt es sich die EU von 2010 bis 2013 kosten, um mit dem Projekt PRIMAS forschendes Lernen in den Schulalltag europaweit zu integrieren. Koordiniert wird das Projekt von der Pädagogischen Hochschule Freiburg unter der Mitarbeit von zwölf Nationen mit insgesamt mehr als 50 Experten. Ein Nachfolgeprojekt ist bereits in Planung.
Weitere Informationen zu PRIMAS:
- PRIMAS national: primas.ph-freiburg.de
- PRIMAS international: www.primas-project.eu/
Mehr dazu: Forschungsprojekt für besseren Mathematikunterricht gestartet
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