"Nasser Schwamm" des VBE an FU-Präsident Dieter Lenzen
Aktueller Preisträger des "Nassen Schwamms" ist der Präsident der Freien Universität (FU) Berlin Prof. Dr. Dieter Lenzen. VBE-Bundesvorsitzender Dr. Ludwig Eckinger würdigte den Berliner Erziehungswissenschaftler bei der Preisverleihung am heutigen Abend im Berliner Magnus-Haus für seine Verdienste um "Verzerrung und Verschärfung der Bildungs- und Integrationsdebatte". Lenzen hatte seine Teilnahme in einem vergrätzten Brief an Eckinger zuvor abgesagt.
13.03.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)Den Preis für den bildungspolitischen Tiefschlag des Jahres 2005 vergibt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) an den FU-Präsidenten aus zwei Gründen. Erstens hatte der FU-Präsident in einem Interview mit der Berliner Zeitung (vom 15.07.2005) die Ansicht vertreten, der Intelligenzquotient von Kindern türkischer Einwanderer sei geringer als der von Kindern deutscher Familien. Zweitens erhält Lenzen den "Nassen Schwamm" für die von ihm verantwortete Studie "Bildung neu denken!", in der er nicht nur für eine Verkürzung schulischer Bildung eintritt, sondern überdies den Lehrerinnen und Lehrern einen zu geringen Leistungswillen bescheinigt und für die Senkung des Grundgehaltes eintritt, um mit Gehaltszulagen den Leistungswillen zu steigern.
"Alle internationalen Studien der letzten Jahre sagen uns", so Eckinger bei der Preisverleihung, "dass wir in Deutschland ein Problem haben. Wir tun nicht genug, um ausländische Kinder und Jugendliche und jene mit Migrationshintergrund zu integrieren. Die Debatte über Deutsch als Pflicht in den Schulen hat gerade erst wieder die Brisanz der Integrationsfrage gezeigt." Dieter Lenzens Ansicht, der Intelligenzquotient von Kindern türkischer Einwanderer sei geringer als der von Kindern aus deutschen Familien, bewerte der VBE als "einen der bösesten bildungspolitischen Ausrutscher des vergangenen Jahres". "Mit seiner Äußerung polarisierte Lenzen, wo Lösungsansätze gefragt wären", betonte Eckinger.
Zur dreibändigen Studie "Bildung neu denken!", die Lenzen verantwortete und die von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft herausgegeben wurde, äußerte der VBE-Bundesvorsitzende: "Die Studie verfolgt einen von Wirtschaftskreisen einhellig begrüßten neoliberalen Kurs. Und Lenzen ist ihr Tribun. Die Studie plädiert für einen radikalen Umbau des öffentlichen Bildungswesens hin zur Privatisierung. Lenzen will Bildung dem Markt öffnen und Schulen rentabel machen." Auch damit sei er für den "Nassen Schwamm" prädestiniert. Eckinger weiter: "Letztlich geht es darum, Bildung auf Verwertungsinteressen zuzuschneiden. Lenzen ist der entschiedenste Verfechter eines neoliberalen Bildungsdenkens." Was Herr Lenzen zur Erhaltung der Arbeitsmotivation und zur besseren Wertschätzung von Lehrerarbeit gedacht habe, spiele in Wirklichkeit den Finanzministern in die Hände. Lohndumping und Sozialabbau würden unter dem Deckmantel von mehr Gerechtigkeit verkauft. "Dazu passt", so Eckinger, "dass Herr Lenzen sich für den Juniorlehrer stark gemacht hat." Kolleginnen und Kollegen sollen schneller und verwendungsorientierter ausgebildet werden. Es passe dazu, dass Lenzen Lehrerinnen auf Halbtagsstellen mit Teilzeitkräften vergleiche, "die in Supermärkten als Kassierpersonal arbeiten" (Zitat aus Tagesspiegel vom 27.02.2006).
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