"No Limits to Learning"
In der kurzen Zeitspanne seit der Firmengründung 1998 ist getAbstract zum weltweit größten Anbieter von Buchzusammenfassungen der Wirtschaftsliteratur und zum Marktführer auf dem Gebiet des "komprimierten Wissens" geworden. Zahlreiche deutsche Großunternehmen, wie die Deutsche Telekom und Deutsche Post World Net, bieten ihren Führungskräften die Redaktionsservices des Schweizer Unternehmens zu Qualifizierungszwecken an. Firmengründer Thomas Bergen hält am 14. Februar 2005 eine Key-Note zur Eröffnung des International LEARNTEC Forum (ILF).
31.01.2005 PressemeldungHerr Bergen, warum kommen Sie zumInternational LEARNTEC Forum?
Bergen: Das Eröffnungsplenum steht unter dem Motto "No Limits to Learning". Das entspricht dem, was wir tun, denn wir bereiten Wissen so auf, dass es global verfügbar wird. Es passt aber auch zu meiner Sicht, wie sich der Bildungsmarkt insgesamt entwickeln wird. Die Globalisierung macht vor dem Bildungsbereich nicht halt. Bildung wird zu einer international vergleichbaren, aber auch zugänglicheren Ware. Dies wird zu massiven Veränderungen führen.
Dies könnte auch niedrigere Preise fürBildungsprodukte nach sich ziehen.Sind das nicht schlechte Geschäftsaussichten für Sie?
Bergen: Nehmen wir als Beispiel die gegenwärtigen Studiengebühren für MBA-Studien an akademischen Eliteeinrichtungen. Sie werden in Zukunft mit Sicherheit fallen, weil vergleichbare Produkte auch in Shanghai und Bombay angeboten werden. Das heißt aber nicht, dass der Bildungsmarkt darunter leidet. Im Gegenteil, wir können eher mit einer zunehmenden Bildungsbeteiligung rechnen, und das ist für uns günstig. Ein Summary von uns kann sich auch ein Student in Ecuador leisten, das Hardcover des US-Verlags ist für ihn unerschwinglich.
Ist es bei Managern nicht ähnlich? Siehaben im Unterschied zu ecuadorianischenStudenten zwar viel Geld, aber keine Zeit,lesen auch nur Ihr Abstract und kaufendas Buch nicht. Wie haben Sie es da nurgeschafft, über 250 Verlage für eine Zusammenarbeit mit Ihnen zu gewinnen?
Bergen: Gerade, um Entscheider in Unternehmen zu erreichen, die unsere wichtigste Zielgruppe sind, ist es für die Verlage vorteilhaft, wenn sie mit uns kooperieren. Viele Manager werden durch unseren Service überhaupt erst über das vorhandene Buchangebot informiert und an den Kauf von Büchern herangeführt. Von uns bekommen sie die beste Grundlage für eine Kaufentscheidung - einen verlässlichen Einblick in die Qualität eines Buches.
Wie sind Sie eigentlich auf dieIdee gekommen, mit Buchzusammen-fassungen Geld zu verdienen?
Bergen: Mein Partner Dr. Rolf Dobelli und ich haben schon als Studenten zur Prüfungsvorbereitung Bücher zusammengefasst und selbst erlebt, welchen Wert solche Summaries haben. Als ich später auf Anbieter wie Soundview stieß, war mir der Umfang des Angebots aber zu gering. Ich weiß, dass jährlich etwa 20 relevante Bücher zum Thema Marketing erscheinen, und Summaries von drei Titeln reichen mir nicht. Wir publizieren deshalb jedes Jahr nach einer rigorosen Auswahl unter den ca. 10.000 neuen Wirtschaftspublikationen Zusammenfassungen von 600 bis 700 Titeln. Das ist eine angemessene Menge.
Sie sind durch Summaries von Wirtschaftsliteratur groß geworden, habenaber in diesem Jahr auch begonnen,die Klassiker der Weltliteraturzusammenzufassen. Wann kommender medizinische und der juristischeBereich hinzu? Wollen Sie irgendwanndie gesamte Literatur der Weltzusammenfassen?
Bergen: Unsere Vision ist tatsächlich, dass es Zusammenfassungen aller auf der Welt verfügbaren Bücher geben sollte. Schon heute gewinnen wir einen Großteil unseres Wissens nicht mehr aus Büchern, obwohl ungeheure Wissenswerte in ihnen stecken. Das ist ärgerlich, und wir möchten nicht, dass dieses Wissen verschwindet. Dafür braucht man aber Angebote wie unsere, also Menschen, die Buchinhalte extrahieren, komprimieren und in eine redigierte nutzbare Form bringen. Um ein Gegenbeispiel zu geben: In der Washingtoner Library of Congress lagern 29 Mio. Bücher und 59 Mio. Manuskripte, aber dieses Wissen ist für einen Großteil der Menschheit praktisch nicht greifbar. Ihre Produkte werden in Unternehmen oft über Wissensportale angeboten.
Wäre getAbstract ohne das Internetunmöglich? Würden Sie sich alsUnternehmen der New Economybezeichnen?
Bergen: Der Unternehmensbereich für uns eine sehr wichtige Geschäftsschiene und wird es auch in Zukunft bleiben. Als Dotcom-Unternehmen haben wir uns allerdings nie gesehen. Natürlich hat es uns der Dotcom-Hype Ende der 90er Jahre erleichtert, Finanzierungskapital zu akquirieren. Wir begreifen uns jedoch in erster Linie als Content-Produzent und nutzen dabei die Internet-Technologie, z. für kostengünstige Vertriebswege.
Was wird in Karlsruhe Ihre wichtigsteMessage sein?
Bergen: Lassen Sie sich überraschen!
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Edgar Wang.
Thomas Bergen ist Gründer und Chief Executive Officer (CEO) von getAbstract. Der ehemalige Vice President der Migrosbank, der fünftgrößten Schweizer Bank, hatte in St. Gallen Wirtschaftswissenschaften studiert, bevor er 1993 bei der Migrosbank einstieg. Thomas Bergen ist Dozent für Entrepreneurship (Unternehmensgründungen und Unternehmertum) an der Universität St. Gallen.
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