Pflichtdeutsch für bessere Bildung und Integration?

(bikl/hf) Wie kann die Integration von Migranten-Kindern und Kindern aus sozialen Brennpunkten gelingen? Eine Podiumsdiskussion auf der Bildungsmesse didacta in Köln widmete sich dem brisanten Thema.

02.03.2007 Artikel
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"Wir haben 30 unterschiedliche Sprachen an unserer Schule", berichtet Jutta Steinkamp. Sie ist Schulleiterin der Henning-Hoover-Oberschule in Berlin, was einer Realschule entspricht. Ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit geriet Jutta Steinkamp, als sie den Nationalpreis entgegen nahm. Grund der Verleihung: Sie hatte Deutsch auf dem Schulgelände zur Pflicht erklärt. Und doch wehrt sich Jutta Steinkamp zu allererst gegen den Begriff "Pflichtdeutsch". Die Vereinbarung wurde mit Zustimmung der Schüler getroffen, Zwang erscheint ihr nicht der richtige Lehrmeister. Dem pflichtet auch Thomas Kufen, Integrationsbeauftragter der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, auf dem Diskussionspodium bei: "Pflicht und Druck führt nicht zum Erfolg".

Der Ausländeranteil an der Berliner Henning-Hoover-Oberschule beträgt 93 Prozent. Jutta Steinkamp erzählt von Schwierigkeiten, in denen sie in der Vergangenheit oft eingreifen musste: "Wir hatten früher viel Streit zu schlichten. Manche Kinder vermuteten, jemand anderes hätte negativ über sie gesprochen und fühlten sich beleidigt, Kinder sind sehr sensibel." Missverständnisse unter den Schülern waren Konfliktpotenzial Nummer eins. Und das hat sich, ist Jutta Steinkamp froh, spürbar gebessert. Die Schüler sprechen Deutsch, jedenfalls so gut sie können.

Yüksel Pazarkaya, Essayist und Erzähler, langjähriger Leiter der Türkisch-Redaktion beim WDR, zitiert aus einer Datenerhebung an Hamburger Schulen – nur 0,3 Prozent der Kinder sprechen nie Deutsch untereinander. "Die Kinder sprechen ohnehin Deutsch untereinander", ist sich Pazarkaya sicher. Aber er bemängelt auch die mangelnde Akzeptanz anderer Kulturen. Diese müsse einer Integration immer voraus gehen. Thomas Kufen ist sich sicher: "Wir müssen die Integrationsdebatte erst noch führen". Zuviel Ressentiments und Missverständnisse bestimmen seiner Meinung nach die Diskussion. Aber weder eine Debatte über den Begriff "Pflichtdeutsch" sei da hilfreich, noch eine geringe Wertschätzung anderer Kulturen.


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