Philologenverband: "Ein Spar-G8 mit einem "Abi light" darf es nicht geben!"
Anlässlich der heutigen Sitzung der Kultusministerkonferenz hat der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, dringend an die Kultusminister appelliert, die bis zum Abitur vorgeschriebene Stundenmindestgrenze von 265 Jahreswochenstunden nicht noch weiter abzusenken oder aufzuweichen.
13.12.2007 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)"Bei der überstürzten Einführung der Gymnasialzeitverkürzung sind in allen Bundesländern bereits zwischen 12 und 18 Jahreswochenstunden weggefallen. Dies entspricht dem Unterrichtsvolumen von mehr als einem halben Schuljahr. Schon jetzt leistet sich Deutschland die geringste Zahl von Unterrichtsstunden bis zum Abitur in Mitteleuropa. Auch im internationalen Vergleich zählt es zu den Schlusslichtern. England und Frankreich gönnen ihren Schülern rund 1000 bis 1500 Vollzeitstunden Unterricht mehr bis zur Hochschulreife als Deutschland. Das ist ein Skandal!", sagte der Verbandsvorsitzende.
Meidinger wies darauf hin, dass der von vielen Eltern und Schülern beklagte Druck nicht daher rühre, dass Gymnasialschüler an einem oder zwei Nachmittagen Unterricht hätten, sondern daher, dass es in den meisten Bundesländern versäumt wurde, durch die Einstellung von zusätzlichen Betreuungskräften den Unterrichtsablauf neu zu rhythmisieren und zusätzliche Ruhezeiten, Förderstunden, Wahlkurse und Betreuungszeiten in den Schulalltag zu integrieren, wie dies in fast allen europäischen Nachbarländern der Fall sei.
"10 Stunden Unterricht an einem Stück, nur unterbrochen von einer kurzen Mittagspause – das ist eindeutig pädagogisch unerträglich und kontraproduktiv. Dieses Problem löst man aber nicht, indem man nochmals Unterricht kürzt und ein Spar-G8 mit einem Abi light schafft!" betonte der Verbandschef nachdrücklich. Er beklagte, dass seinerzeit bei der Einführung des G8 alle Warnungen des Philologenverbandes vor den Konsequenzen in den Wind geschlagen worden seien. Dies räche sich jetzt. Die Politik habe praktisch eine partielle Ganztagsschule eingeführt, ohne die dafür notwendigen Investitionen zu tätigen.
Auf der anderen Seite nannte der DPhV-Vorsitzende die Ankündigung der hessischen SPD, die Schulzeitverkürzung im Falle eines Wahlsiegs zurücknehmen zu wollen, heuchlerisch und nicht ehrlich. Wer einerseits eine Einheitsschule bis zur 10. Klasse einführen und gleichzeitig die Schulzeit zum Abitur wieder um ein Jahr ausweiten wolle, verkürze in Wirklichkeit das Gymnasium von acht auf drei Jahre und gönne den Schülern noch weniger Zeit für eine spezifische Vorbereitung auf die Abiturprüfung, so Meidinger.
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