Philologenverband fordert spezielle schulische Leseoffensive für Jungen
Zu verstärkten Anstrengungen, die deutlichen schulischen Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen in Deutschland abzubauen, hat der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, anlässlich der heute veröffentlichten PISA-Sonderauswertung "Equall prepared for life? How 15 year-old boys and girls perform in school" aufgerufen.
26.05.2009 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)Als großes Problem bezeichnete Meidinger, dass in Deutschland immer weniger Jungen gerne lesen. Er betonte: "Im Gegensatz zu früheren Jahren, wo zumindest noch bei den Zehnjährigen eine große Leselust vorhanden war, die dann lediglich während der Pubertät nachließ, gelingt es heute kaum mehr, die Mehrzahl männlicher Schüler zu regelmäßiger Lektüre zu motivieren. Dies ist einer der Hauptgründe für deren deutliche Defizite bei der Lesekompetenz gegenüber den Mädchen und auch eine Hauptursache dafür, dass Jungen zunehmend zu Bildungsverlierern werden!"
Während man bei der Förderung von Mädchen im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich bereits große Fortschritte gemacht habe, nehme bei den Jungen die Leseneigung weiter ab, wie viele Deutschlehrer beobachten könnten.
Der Verbandschef nannte als einen der Gründe dafür die extensive Nutzung von Computerspielen und Videokonsolen. Die Zeiten, die männliche Jugendliche mit Medienkonsum verbringen, seien enorm gestiegen. Bei 15-jährigen Jungen müsse man von zwei bis drei Stunden täglich ausgehen, wobei Fernsehzeiten nicht mitgezählt wurden.
Meidinger forderte in der Konsequenz in allen Schularten eine schulische Leseoffensive, die sich speziell an Jungen richten müsse. "Es gibt durchaus gut geschriebene spannende Bücher, mit denen man auch heute noch Jungen fürs Lesen gewinnen kann und die Identifikationsangebote für Jungen bieten. Bestandteile einer solchen Leseoffensive könnten die Ausgabe von Lesepässen und Lektürelisten, Urkunden für besondere Leseleistungen und eine verbesserte diesbezügliche Ausstattung von Schülerbibliotheken sein!", so der Bundesvorsitzende.
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