Produktives Lernen startet an sieben Schulen

Sieben sächsische Mittelschulen mit jeweils 20 Schülern starten heute (am 10. August) mit dem Schulversuch "Produktives Lernen" in das neue Schuljahr. Dieser Bildungsansatz ermöglicht abschlussgefährdeten Schülern berufliche Erfahrungen in der Praxis mit schulischem Lernen zu verknüpfen. Neben dem Lernen im Betrieb erhalten die jungen Leute Unterricht in Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Kommunikation. "Die Schüler sollen selbst erfahren, dass beispielsweise Bruchrechnen oder fehlerfreies Schreiben auch bei der praktischen Arbeit in einem Unternehmen unabdingbar sind", sagte Kultusminister Roland Wöller.

10.08.2009 Pressemeldung Sächsisches Staatsministerium für Kultus

Den Schülern sollen - nach einer zum großen Teil von Misserfolgen geprägten Schulzeit - wieder Erfolgserlebnisse verschafft werden. Pro Klasse sind zwei speziell geschulte Lehrer tätig. Diese begleiten die Schüler auch in die Unternehmen. Dort komplettiert dann ein Praxis-Mentor das Team. Ausschlaggebend für den Erfolg des Projektes sei die aktive Mitarbeit der Schüler, so Wöller. Keiner werde zum Mitmachen gezwungen. Produktives Lernen sei ein Angebot. Mit diesem Projekt will Sachsen die Zahl der Schüler ohne Abschluss weiter reduzieren. Der praktische Unterricht im selbst gewählten Unternehmen findet an drei Tagen der Woche statt. Das Lernen in der Praxis wendet sich an abschlussgefährdete Schüler der 8. und 9. Klasse. "Wir wollen diejenigen Schüler auffangen, die trotz aller Bemühungen der Schule das Lernangebot nicht nutzen und deren Schulabschluss wirklich akut gefährdet ist", so Wöller weiter. Als alternativen Lernweg für eine schwierige Schülergruppe bezeichnete der Minister das nicht ganz schul-alltägliche Modell. Teilnehmen können abschlussgefährdete Schüler, die Bereitschaft zu einem Neuanfang und Interesse an dieser Form des Lernens mitbringen. Die Schüler können einen dem Hauptschulabschluss gleichgestellten Schulabschluss erreichen. Entsprechend den Erfahrungen aus anderen Bundesländern werden auch in Sachsen hohe Quoten beim Erreichen eines Schulabschlusses und beim Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung erwartet.

Das Projekt wird aus europäischen Mitteln bezahlt und soll bis zum Schuljahr 2013/14 mit insgesamt zwei Millionen Euro unterstützt werden. Projektträger ist das Berliner "Institut für Produktives Lernen in Europa." Das gemeinnützige Institut führt bereits ähnliche Projekte in Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt mit Erfolg durch. Am Projekt beteiligen sich die Lessingschule Freital, die Mittelschule "Am Holländer" in Döbeln, die 1. Mittelschule Hoyerswerda, die Georg-Weerth-Mittelschule Chemnitz, die Georg-Schumann-Mittelschule Leipzig, die 121. Mittelschule Dresden sowie Dr.-Chr.-Hufeland Mittelschule in Plauen. Das Projekt wird durch eine Universität extern evaluiert.Hintergrund: Etwa fünf Prozent der Mittelschüler, insgesamt ca. 1.300 Schüler, haben im vergangenen Jahr 2007/2008 in Sachsen die Schule ohne Abschluss verlassen. Trotz eines Rückgangs um zwei Prozentpunkte (2002/03: 7,1 %, 2006/07: 5,2 %) in den vergangenen vier Jahren müsse die Zahl weiter reduziert werden.


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