"Rechtschreibtest im Internet bereits im Einsatz"
(bikl) Die Schulbuchverlage setzen auch weiterhin aufs Buch – das hat nicht zuletzt die didacta in Hannover gezeigt, wo das traditionsreiche Medium eindeutig im Vordergrund stand. Andererseits gehört das Lernen am PC für viele Schüler schon zur Normalität. Nahezu alle Schulen sind im Netz, in vielen Klassenzimmern und auf dem häuslichen Schülerschreibtisch stehen Computer. Trotzdem haben viele Verlage ihre Produktion von Multimediaprogrammen aus Kostengründen erheblich reduziert oder gar ganz eingestellt. bildungsklick.de sprach mit dem Geschäftsführer für den Bereich Marketing beim Cornelsen Verlag, Wolf-Rüdiger Feldmann, über die Strategie des Berliner Schulbuchverlags.
09.03.2006 ArtikelViele Verlage haben sich aus dem Bereich Multimedia und digitale Medien zurückgezogen. Wann wirft Cornelsen das Handtuch?
Feldmann: Wir machen auf jeden Fall weiter in unserer Software-Entwicklung. Digitale Medien gehören inzwischen zu den gedruckten Lehrwerken dazu.
Aber der Markt ist doch immer schwieriger geworden?
Feldmann: Wir haben im Segment Lernsoftware einen enormen Preisverfall einstecken müssen, das macht die Entwicklung von neuen Produkten nicht einfacher. Weitere Probleme sind die Raubkopien und die Zweit- und Drittverwertung, was den Markt nicht gerade positiv beeinflusst. Die Relation zwischen Absatzmenge und Entwicklungskosten machen Multimedia-Produkte kalkulatorisch sehr eng. Das ist kein Markt, dem man einen Hype zusprechen kann.
Trotzdem machen Sie weiter. Wo sehen Sie die positiven Signale?
Feldmann: Digitale Medien im Vormittagsmarkt, an der Schule, setzen sich durch und ergänzen traditionelle Medien. Auch der Online-Sektor legt zu, sowohl in Schule als auch an Kinderschreibtischen. Für Hauptschulen und für Gymnasien bieten wir Unterrichtsinhalte über Lernplattform an. Das akzeptieren die Schulen für unterschiedliche Lernszenarien durchaus. Oder in der Sekundarstufe II an Gymnasien, wenn auf das selbstständige Lernen der Schüler Wert gelegt wird, wo der Lehrer Moderatoren-Funktion übernimmt, Aufgaben zuweist, das Feedback abarbeitet – das ist sicherlich ein Thema der Zukunft.
Das sind einige Vorteile der digitalen Medien – gibt es denn noch mehr?
Feldmann: Wenn es an Diagnose und an Förderung von Lerndefiziten geht, an gezielte Leistungsmessung, haben die elektronischen Medien ungeheure Vorteile. Das deutsche Schulsystem wird immer stärker output-orientiert und es wird alles getestet, was die Schülerinnen und Schüler können müssen. Für den Lehrer ist das Material gut geeignet, weil er es anpassen kann – es ist editierbares Material, mit dem er gezielt auf die Klasse eingehen kann.
Wie können Schulen die individuelle Diagnose von Schülern nutzen?
Feldmann: Ein aktuelles Beispiel: Der Rechtschreibtest unter www.foerdern.cornelsen.de für die 5. und 6. Klasse ist bereits im Einsatz. Damit ermitteln Lehrer die Leistungsstände ihrer Schüler und rufen gleichzeitig auf der Plattform gezielte Übungen ab. Ende des Jahres werden wir diese Möglichkeit auch für andere Fächer bereitstellen.
(Mit Wolf-Rüdiger Feldmann sprache Harald Fette.)
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