didacta 2011

Schwierige Schüler – ein Problem für Lehrer und Schulen?

(red) Lehrerinnen und Lehrer wissen, wovon die Rede ist, begegnen sie ihnen doch ständig im Schulalltag: schwierige Schüler. Was aber versteckt sich hinter diesem recht allgemeinen Begriff? Wie lassen sich kritische Unterrichtssituationen entschärfen und wie können Lehrer die Probleme "ihrer" Schüler besser verstehen? Fragen, die Prof. Dr. Thorsten Bohl im Interview beantwortet. Für die didacta 2011 hat der Tübinger Erziehungswissenschaftler das Symposion "(Schwierige) Schüler heute" organisiert, auf dem Experten aus verschiedenen Fachrichtungen zu Wort kommen werden.

27.01.2011 Artikel
  • © privat

Herr Professor Bohl, was sind schwierige Schüler?

Thorsten Bohl: Im Grunde genommen ist es umstritten, ob es schwierige Schüler gibt. Denn mit diesem Begriff wird das Problem auf die Schüler konzentriert, nach dem Motto: Die Schüler sind das Problem und alles andere bleibt außen vor. Tatsächlich aber sind es die Sozialisationsbedingungen, die Bedingungen des Aufwachsens, die die Schüler prägen. Von daher gibt es allenfalls Probleme, die von Erwachsenen erzeugt werden und die sich dann natürlich auf Schüler auswirken.

Eine Erklärung, die aber dem einzelnen Lehrer in seiner Klasse eher weniger hilft …

Thorsten Bohl: Ja, aus ihrer Sicht haben Lehrer es in ihrem Alltag permanent mit schwierigen Schülern zu tun. Wenn man eine Klasse mit 30 oder mehr Schülern unterrichtet, ist es kaum möglich, die Problemlage einzelner Schüler genau zu diagnostizieren. Und Lehrer müssen in kritischen Situationen im Unterricht unmittelbar reagieren, sie müssen auch die anderen Schüler schützen und zusehen, dass der Unterricht voranschreitet. Man weiß aus der Belastungsforschung, dass der Umgang mit schwierigen und verhaltensauffälligen Schülern zum anstrengendsten Teil des Lehrerberufs gehört.

Wie sollten Lehrer mit diesen Situationen umgehen?

Thorsten Bohl: Ein Patentrezept gibt es nicht. Es hat einerseits mit der Professionalisierung von Lehrkräften zu tun – es gibt Lösungen oder zumindest Verbesserungsmöglichkeiten, die im schulischen Handlungsbereich liegen: Zum Beispiel eine gute Klassenführung, eine anregender Unterricht, ein scharfer diagnostischer Blick oder gut organisierte Kooperationen mit Experten und Eltern. Andererseits darf man viele Probleme nicht den Schulen und Lehrkräften allein überlassen - denn Lehrer können gravierendere Probleme selten allein bewältigen.

Sie müssen sich also Hilfe von außen holen?

Thorsten Bohl: Es gibt verschiedene Möglichkeiten. So lassen sich etwa mit einer entsprechenden Schulkonzeption niederschwellige Kooperationen gestalten, bei denen zum Beispiel der Austausch mit Psychologen selbstverständlicher Alltag ist und nicht erst dann, wenn eine extreme Problemlage entstanden ist. Oder Schulen treffen sich regelmäßig - mindestens einmal im Schuljahr - mit einem Psychologen, der dann auch einen Elternabend gestaltet. Man kennt sich, hat ein gutes Netzwerk und kann ohne großen Aufwand Lösungen anbahnen. Schulen können mit Experten aus unterschiedlichsten Disziplinen kooperieren. Schließlich darf man die Lehrerausbildung nicht überfrachten, man kann sensibilisieren, aber dann muss Vieles im Alltag sehr gut organisiert sein.

Und diese Experten werden auf dem Symposion berichten?

Thorsten Bohl: Die Veranstaltung will eine Plattform für Lehrer und Schulleiter sein. Hier erfahren sie von Experten unterschiedlicher Disziplinen, unter welchen Bedingungen Kinder und Jugendliche heutzutage aufwachsen. Dabei werden Konsequenzen und Handlungsmöglichkeiten für Schule und für Lehrkräfte aufgezeigt und diskutiert.

Dazu auf der didacta

Mittwoch, 23. Februar 2011, 10:45 bis 16:00 Uhr und Donnerstag, 24. Februar 2011, 11:00 bis 15:00 Uhr
Symposion "(Schwierige) Schüler heute"


Weiterführende Links

  • Homepage Prof. Dr. Thorsten Bohl
  • didacta 2011

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