Sprachtest hat kaum Vorhersagekraft - "funktionsorientierte" Sprachförderung hilft nicht
25.01.2011 Artikel
In der Studie des Transferzentrums für Neurowissenschaft und Lernen - ZNL, Leitung: Prof. Spitzer, wurde deutlich, dass mit der angewendeten Differenzierungsprobe keine fundierten Vorhersagen über spätere Lese- und Schreibschwächen gemacht werden können. Es wurde u.a. festgestellt, dass "nur jedes vierte als Risikokind klassifizierte Kind später tatsächlich Probleme beim Lesen (hatte)." Gleichzeitig waren drei Viertel der Kinder, die am Ende der zweiten Klasse Probleme im Lesen und Schreiben hatten, nicht als Risikokinder eingestuft worden".
In vergleichbarer Weise haben Praxisberichte bereits ähnliche Resultate für das in NRW angewendete Delfin-4-Verfahren herausgestellt. Auch wenn dazu noch keine Wirksamkeitsanalyse durchgeführt wurde. Die Fragwürdigkeit des in NRW eingeführten Verfahrens ergibt sich alleine schon daraus, dass es überhaupt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt, dass die in dem Test aus einer Vielzahl (16) von Möglichkeiten ausgewählten 4 Sprachebenen überhaupt eine verlässliche Prognosekraft haben.
Mit dem Ergebnis der in Baden-Württemberg und Bayern durchgeführten Erhebung wird die Notwendigkeit auch für eine Veränderung in dem "verfahrenen" NRW-Verfahren und auch in Bezug auf den Ansatz der Förderung deutlich.
Einen Hinweis auf die notwendige Integration der Sprachförderung in den Alltag der Begleitung von Kindern wird aus dem durch den didacta-Verband im Vorfeld der Bildungsmesse verbreiteten Interview mit Frau Prof. Dr. Renate Zimmer deutlich.
Sie weist darauf hin, dass bisher Sprachförderung häufig zu "funktionsorientiert" abläuft und die Programme oftmals "aufgesetzt und lebensfern" sind. Sie sind zu wenig in den pädagogischen Alltag integriert. In ihrem Projekt werden Bewegungsanlässe zu Sprachanlässen genutzt und bereits in einer Pilotstudie deutlich gemacht, dass die größten Fortschritte bei Kindern erzielt wurden, die bei der Überprüfung der Sprachkompetenz zunächst die niedrigsten Werte hatten. Mit dem Hinweis, dass die Sprachförderung vor allem die Sprachsensibilität der Erzieherinnen angesprochen hat, wird deutlich, dass es auf die Begegnung zwischen Erzieherinnen und Kindern ankommt, also auch auf die durch die Rahmenbedingungen geschaffenen Möglichkeiten und die fachliche Unterstützung im Alltag. "Wir wollen die Liebe von der Bewegung auf die Liebe zur Sprache übertragen." So wird sehr plakativ beschrieben, worauf es ankommt.
Vertiefungen zu den Themenstellungen sind während der vom 22.-26.2.2011 in Stuttgart stattfindenden didacta 2011 zu erwarten: 23.2., 15.00 Uhr, Prof. Spitzer, Grundlagen des Lernens 25.2., Aktionstag des KTK-Bundesverbandes und der BETA u.a. mit einem Vortrag von Prof. Zimmer
Mehr zur didacta 2011 unter: cms.messe-stuttgart.de/cms/didacta11-messe0.0.html
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