Umfeld an Schulen verbessern – Keine Lehrerstellen streichen
Mit großer Sorge registriert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg wiederkehrende Berichte über Gewalt, die auch von Schülern ausgeht. Selbst wenn es sich dabei stets um Einzelfälle handelt, wie jetzt wieder bei der Prügelattacke in der Berliner U-Bahn-Station, rufen die Taten immer mehr das ungute Gefühl hervor, was wohl als nächstes passiert. Gewalttätige Jugendliche habe es schon immer gegeben, aber die zunehmende Brutalität der Aggressionen erschrecke, so der VBE-Sprecher.
26.04.2011 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergLehrer bemühten sich zwar neben der Bildung der Schüler verstärkt um die Vermittlung ethischer und sozialer Werte, fühlten sich aber bei den Erziehungsversuchen häufig allein gelassen, beklagt der VBE-Sprecher. Im Bildungswesen regiere bei gleichzeitig heftiger Zunahme diverser Reformprojekte immer mehr der Rotstift: marode Schulgebäude, zu volle Klassen, Unterrichtsausfälle und Zusammenlegungen bei Krankheitsfällen sowie unzureichende Stütz- und Fördermaßnahmen seien unbefriedigender Alltag nicht nur in Baden-Württemberg.
Man müsste sich über latente Gewalt von Schülern weniger Sorgen machen, wenn es an den Schulen anders aussehen würde, meint der VBE-Sprecher. Noch immer gebe es zu viele baulich heruntergekommene Gebäude oder schmuck- und seelenlose "Lernfabriken" aus tristem Beton mit zu vielen Schülern, die sich überwiegend fremd seien. Zu viele Kinder und Jugendliche pro Klasse lernten in häufig viel zu kleinen, viel zu selten renovierten Räumen, wo 22 Schüler mehr als genug wären. Lehrerverbände kämpfen seit Jahren vergebens um wenigstens eine Kassenlehrerverfügungsstunde pro Woche, damit Pädagogen mit den Schülern Probleme jenseits des Stoffdruckes aufarbeiten könnten. Es mangelt an Arbeitsgemeinschaften und Stützkursen, weil Lehrerstunden fehlen, es fällt sogar Pflichtunterricht aus. Gleichzeitig sollen immer mehr Probleme der Gesellschaft in den Schulen aufgearbeitet werden. Aggressions- und Gewaltabbau können im Unterricht aber nicht "so nebenher" betrieben werden, sondern sind vor allem das Metier von entsprechend ausgebildeten Fachkräften. Neben Beratungslehrern müssten an den Schulen verstärkt Schulpsychologen und Sozialarbeiter zur Betreuung gefährdeter Kinder und Jugendlicher eingesetzt werden. "Das scheitert in der Regel aber am fehlenden Geld", beklagt der VBE-Sprecher. Jetzt sollen nach Angabe des Landesschulbeirates 711 Lehrerstellen nicht besetzt werden. Das mache nicht nur Pädagogen erhebliche Sorgen, so der VBE-Sprecher.
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