VBE: Die Arbeitsbedingungen an den Schulen verbessern - gleichzeitig die Eigenverantwortung der Schüler stärken

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg versteht den Unmut der in Stuttgart protestierenden Eltern. Auch beim VBE steht die Forderung nach kleineren Klassen, nach mehr Zeit für die individuelle För­derung der Schüler und damit nach deutlich mehr Lehrerstellen ganz oben bei Verhandlungen mit Behörden und Politikern. Gleichzeitig soll man sich je­doch davor hüten, alle Verantwortung bei der Schule zu sehen.

20.04.2008 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Selbst die beste Schule kann Versäumnisse bildungsferner Elternhäuser nicht voll­ständig kompensieren. Lehrer fühlen sich in ihrer Berufsehre verletzt, wenn man ihnen permanent den Zusammenhang zwischen Schulerfolg und sozialer Herkunft "um die Ohren haut" und ihnen so - zumindest unterschwellig - die Schuld an einer weniger erfolgreichen Schullaufbahn von Migrantenkindern anlastet.

"Die Kluft zwischen den Erwartungen der Eltern, der Wirtschaft und der Politi­ker an die Lehrerschaft und dem, was Schule wirklich leisten kann, ist gewal­tig", stellt VBE-Chef Rudolf Karg fest. Bei allen gesellschaftlichen Missstän­den, seien es Integrationsschwierigkeiten, Drogen- oder Gewaltprobleme, selbst beim gefühlten Erziehungsnotstand werde von der Schule erwartet, dass sie die­se Defizite möglichst erfolgreich und vor allem sofort beseitigt. Andererseits spotte man über die Lehrerschaft und traue ihr das im Grunde gar nicht zu.

Schulische Probleme werden heute schnell auf andere abgewälzt. "Man schiebt die Schuld für Schwierigkeiten auf den Lehrer, auf die schlechten Rahmenbe­dingungen oder auf das Schulsystem und sucht nach möglichen Ursachen nur selten beim Schüler, der für sein Tun eigentlich einstehen sollte", beklagt der VBE-Chef. Er plädiert dafür, Kinder und Jugendliche bereits frühzeitig in ihrer Eigenverantwortlichkeit zu stärken. Eltern schwächen ihre Kinder, wenn sie ih­nen selbst kleinste Herausforderungen aus dem Weg räumen. Wer Schüler stän­dig in Watte packt, macht sie lebensuntüchtig. Permanente Verwöhnung kann zu einer Droge werden, die das Schüler-Ich dauerhaft beschädigt und den Schuler­folg nachhaltig ausbremst. Auch guter Unterricht steht in ständiger Konkurrenz zu den schnellen Schnitten in den Videoclips der Musiksender. So mancher Schüler wünsche sich in seinen Tagträumen eine Fernbedienung, um einen for­dernden Lehrer einfach wegzudrücken, glaubt man beim VBE zu wissen.


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