VBE: Englischunterricht künftig nur noch in Französisch?
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg will in Erfahrung gebracht haben, dass jetzt Schulversuche zugelassen werden, bei denen das Fach Französisch von Lehrern bilingual ausschließlich in Englisch, und Englisch nur noch in französischer Sprache unterrichtet wird. Die Freigabe soll bereits zum ersten April erfolgen.
01.04.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergDie Pädagogischen Hochschulen Freiburg und Karlsruhe führten mit dem Wintersemester 1999/2000 den neuen Studiengang "Europalehrer" ein. Europalehrer werden insbesondere für den fächerübergreifenden Unterricht ausgebildet. Sie unterrichten mindestens ein nicht-sprachliches Schulfach - wie Sport oder Geographie - in Englisch oder Französisch und vermitteln darüber hinaus die mit der Fremdsprache verknüpften kulturellen und landeskundlichen Zusammenhänge. Bilingualer Unterricht, also zweisprachiger Fachunterricht, ist zwar noch kein Standard an Schulen, gilt aber - gerade im Hinblick auf die zunehmende Globalisierung - als zukunftsweisend, als Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik.
Das Kultusministerium soll nach Informationen, die dem VBE vorliegen, ab ersten April Schulversuche zunächst an Gymnasien und Realschulen zulassen, bei denen das Fach Französisch von bilingualen Lehrern ausschließlich in Englisch, und Englisch in französischer Sprache unterrichtet werden soll.
Kritiker fürchten schon jetzt eine Schwächung der Sprachenkompetenz und des Wortschatzes der Jugendlichen, wenn Lehrer die Schüler lediglich in der jeweils korrespondierenden Fremdsprache unterrichten.
Trotzdem werden Eltern, wie es aus gut unterrichteten Kreisen heißt, im Sinne des Gleichbehandlungsgrundsatzes ein bilinguales Konzept auch für das Erlernen der Grundschulfremdsprache einfordern, so dass alle Kinder an der Rheinschiene Französisch in englischer Sprache vermittelt bekommen und das Grundschulenglisch künftig den Schülern in Französisch nahe gebracht wird.
Der Philologenverband soll sich in einer Pressemitteilung heftig gegen das "doppelte Sprachbad für Grundschüler" ausgesprochen und gleichzeitig unterstrichen haben, dass der Verband der Gymnasiallehrer den korrekten Fremdsprachenerwerb - ob poly-, bi- oder monolingual - ausschließlich an einer höheren Lehranstalt gewährleistet sehe. "Gestandene schwäbische Grundschullehrerinnen könnten im Englisch- oder Französischunterricht sprachlich ihre Herkunft nicht verleugnen", heißt es mit entwaffnender Offenheit in dieser Mitteilung weiter.
Sprachenlehrer mit Migrationshintergrund Mangelware
Bestrebungen, den französischen Englischunterricht beziehungsweise den englischen Französischunterricht in der Grundschule verstärkt durch "Nativspeakers" oder wenigstens durch Lehrer mit angelsächsischem respektive französischem Migrationshintergrund erteilen zu lassen, dürften - wie Experten einräumen - wegen der verschwindend kleinen Zahl dieser Lehrkräfte frühestens nach dem übernächsten Bildungsplanwechsel realisiert werden können.
Jetzt auf der Insel angelaufene Werbekampagnen des baden-württembergischen Kultusministeriums unter dem Motto "Very good morning, Mr Teacher! Deutsche SchülerInnen brauchen Dich!" - in Frankreich analog in französischer Sprache - zeigen verständlicherweise noch nicht den erwarteten Erfolg.
Initiativen zum zweisprachigen Unterrichts in Deutschland begründeten sich in der Vergangenheit meist aus politischen Gegebenheiten. So wurde durch den Élysée-Vertrag das Ziel einer Vertiefung der sprachlichen Kenntnisse vorgegeben, die dem bilingualen Unterricht in Deutschland und Frankreich und den so genannten Partnersprachen-Konzepten besonders in Grenzgebieten - wie mit: "Lerne die Sprache deines Nachbarn!" - den Weg frei machten.
Das Goethe-Gymnasium in Frankfurt/Main war vor vierzig Jahren die erste deutsche Schule mit einem deutsch-englischen zweisprachigen Zweig und gehörte zu den Gründungsschulen des "Baccalauréat International".
Zum 1. April 2009
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