Lehrerverband

VBE: Lehrer beklagen, Konzentrationsschwierigkeiten von Schülern haben spürbar zugenommen

Da Schüler sich häufig nicht mehr so lange im Unterricht konzentrieren können und rasch ermüden, kommen sie auch schneller auf "dumme Ge­danken". Daheim vorm Bildschirm würde die Fernbedienung den Kindern Abwechslung verschaffen. "Ein Umschalten auf ein anderes Unterrichts­fach ist jedoch nicht möglich, und ihre Lehrer können die Schüler schon gar nicht wegzappen", kommentiert der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg Schülerträume.

07.11.2010 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Immer mehr Kinder und Jugendliche können sich in der Schule immer weniger konzentrieren und stören dann häufig sich und andere beim Lernen. Die Zahl Verhaltensauffälliger steigt spürbar. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Schüler leidet am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) mit und ohne Hyperaktivität, ist sozial, emotional oder psychisch auffällig oder hat Entwicklungsstörungen.

Immer mehr Kinder und Jugendliche brauchen professionelle Hilfe. Die Situ­ation in den Schulen habe sich verschärft, beklagt der VBE-Sprecher. Etliche Schüler lebten ihre persönlichen oder familiären Probleme ungehemmt im Klas­senzimmer aus und eckten damit sogar bei Mitschülern an.

Manchen Kindern fehlt die häusliche Erziehung, so dass Umgangsformen in der Schule erst eingeübt werden müssen. Viele Schüler werden mit den Folgen permanenter medialer Reizüberflutung nicht fertig. Die Abhängigkeit junger Menschen von ihren elektronischen Geräten spüren Lehrer, die ihre Schüler anweisen, das Mobiltelefon vorübergehend ganz ausgeschaltet zu lassen: für manchen Jugendlichen schlichtweg undenkbar. Exzessive Internetnutzung im Spaßbereich und reichlicher Fernsehkonsum bis in die späte Nacht verringern bei Schülern die Fähigkeit, alle Eindrücke und Reize richtig zu verarbeiten und gleichzeitig in der Schule gut mitzukommen. Das Fernsehen liefert Informatio­nen in kurzen Sequenzen. Die Kinder und Jugendlichen haben sich an die schnellen Bilderwechsel gewöhnt und erwarten von den Lehrern ebenso rasche Schnitte und ständige Methodenwechsel. Die Folgen liegen auf der Hand: Schü­ler wollen durch den Unterricht "zappen" wie durch ihr Fernsehprogramm.

Offener Unterricht mit Lerngruppen und Freiarbeit lässt den Schülern zwar einen größeren Handlungsspielraum als enggeführter Frontalunterricht, fordert aber gleichfalls die volle Konzentration der Kinder und Jugendlichen.


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