VBE: Leidensdruck für Kinder mit (Lern-)Behinderungen an allgemeinen Schulen meist sehr hoch

Mit der individuellen Lern- und Entwicklungsförderung "ILEP" werden Schüler mit (Lern-)Behinderungen auch an allgemeinen Schulen gefördert. "Um diesem Förderbedarf besonders förderbedürftiger Kinder aber dort wirklich gerecht werden zu können, benötigt das Land wegen der immen­sen Kosten eigentlich einen Goldesel", sagt Barbara Timm, Referatsleiterin "Sonderschulen" des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden.

25.02.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Im Moment bleiben viele von Sonderschullehrkräften überprüfte Kinder trotz Umschulungsempfehlung weiterhin auf der allgemeinen Schule, weil die Eltern einer Umschulung nicht zustimmen. Eine adäquate Förderung können diese Schulen jedoch meist nicht leisten. So müssen Schüler dort Klassen wiederho­len, weil eine leistungsdifferenzierte Bewertung an Grund- und Hauptschulen nicht vorgesehen ist. Das führt dazu, dass diese leidgeprüften Schüler ständig mit dem Frust umgehen müssen, die schlechtesten der Klasse zu sein und das, obwohl sie sich mächtig anstrengen und gut sein wollen.

Die einen kommen nach einer langen Zeit ständiger Misserfolge mit Lernblo­ckaden, Schulverweigerungstendenzen oder massiven Verhaltensauffälligkeiten in die Sonderschule, weil mittlerweile der Leidensdruck zu groß geworden ist. Die Sonderschulpädagogen haben dann erst einmal psychologische Aufbauar­beit zu leisten, bis diese Schüler überhaupt wieder lernbereit sind. Die anderen bleiben so lange auf der allgemeinen Schule, bis sie nach der sechsten oder sieb­ten Klasse - oft nach mehreren Ehrenrunden - ohne Abschluss die Schule verlas­sen müssen und das, obwohl sich die Lehrer für die Kinder eingesetzt haben.

Ein Verbleib an der allgemeinen Schule kann nach Auffassung von Barbara Timm nur dann gelingen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen (was intensive Teamarbeit bedeutet, für die viel Zeit eingeräumt werden muss), wenn der Personalschlüssel, die Ausbildung des Personals sowie die materiellen, fi­nanziellen und räumlichen Voraussetzungen stimmen. Nach Timms Meinung ist die "Inklusion" - das heißt: nicht die (lern-)behinderten Schüler integrieren sich, sondern die Umgebung passt sich dem Förderbedarf des Schülers an - zwar eine schöne Idealvorstellung, die aber nicht einfach erzwungen werden kann.


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