VBE mahnt: Den Wert eines Kindes nicht anhand der Zeugnisnoten messen

Morgen ist Zeugnistag, der kein Gerichtstag sein sollte. Der Verband Bil­dung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg warnt daher vor einer zu starken Überbewertung der Schulnoten. "Natürlich sind gute Zensuren für das schulische und berufliche Weiterkommen wichtig, man sollte sich je­doch hüten, den Wert eines jungen Menschen lediglich aus dessen Zeugnis­noten abzuleiten", so der VBE-Sprecher.

28.07.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Der VBE appelliert an alle Erziehungsberechtigten, die Messlatte für die Kinder auf keinen Fall an eigenen nicht verwirklichten Träumen und Wünschen auszu­richten und deshalb zu hoch zu hängen. Soziale Kompetenzen, wie Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, und gute Umgangsformen, sind heute wieder gefragte Tugenden, die in keiner Klassenarbeit abgefragt und bei keinen inter­nationalen Vergleichsstudien berücksichtigt werden. Dabei kann der Mangel an emotionaler Intelligenz, Empathie und gutem Sozialverhalten das berufliche Weiterkommen auf Dauer stärker beeinträchtigen als schlechtere Fachnoten.

Zeugnisse bewerten immer nur einen kleinen Ausschnitt der Schülerpersönlich­keit und sind niemals völlig objektiv. Unbefriedigende Leistungsergebnisse kön­nen durch gezielte Hilfestellungen oder eine entsprechende Verhaltensänderung des Schülers schon bald wieder in deutlich bessere Noten verwandelt werden, wenn es sich nicht gerade um ein Abschlusszeugnis handelt.

Ein weniger gutes Abschneiden in der Schule hat meist verschiedene Ursachen; nicht immer sind Faulheit oder Gleichgültigkeit Grund für mangelhafte Leistun­gen. Auch eine permanente Überforderung des Schülers durch die falsche Schul­wahl ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. In diesem Fall kann nur ein Schul­wechsel dem Kind wieder "Luft zum Atmen" verschaffen und die dringend be­nötigten Erfolgserlebnisse ermöglichen. An den meisten Schulen werden zu wenig Stütz- und Förderkurse angeboten, weil entsprechenden Lehrerstunden dafür fehlen; und nicht alle Familien können und wollen sich einen privaten Nachhilfelehrer leisten.

Wird ein Schüler nicht versetzt, sollten alle Beteiligten die Wiederholung einer Klassenstufe nicht als Demütigung, sondern als Chance sehen, vorhandene De­fizite auszugleichen respektive Entwicklungsverzögerungen aufzuholen.


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