VBE mutmaßt: Wird die Hauptschule lediglich als Lehrerreservoir für die verlässliche Grundschule benötigt?

Auf der einen Seite halte das Kultusministerium felsenfest an der Haupt­schule fest, andererseits werde genau diese Hauptschule als "Steinbruch" für Lehrerstunden missbraucht, um die "Verlässlichkeit" der Grundschule zu garantieren, schimpft der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Er­ziehung (VBE) Baden-Württemberg, Rudolf Karg. Es sei ein Skandal, dass die Hauptschule, wenn es um die Verlässlichkeit des Unterrichts gehe, zu­gunsten der Grundschule zurückstecken müsse. Dies zeige doch deren wirk­liche Wertigkeit im Schulsystem, moniert der VBE-Chef.

16.05.2007 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Während den Eltern der Grundschüler eine "verlässliche Grundschule" garan­tiert werden soll, muss die Hauptschule oft als "pädagogisches Ersatzteillager" herhalten, um bei Erkrankung von Grundschulkollegen die "Verlässlichkeit" weiter aufrechtzuerhalten. "Gerade Hauptschüler sollten aber ein Anrecht auf einen verlässlichen Unterricht haben", moniert der VBE-Vorsitzende. Es dürfe nicht sein, dass durch den Abzug von Lehrkräften die ohnehin vernachlässigten Hauptschüler noch einmal zusätzlich benachteiligt werden.

Natürlich können nicht sämtliche "Eventualitäten" einer Schule durch eine "Lehrerfeuerwehr" abgedeckt werden, weiß auch Karg. Es dürfe aber nicht sein, dass Vertretungslehrer bereits zu Schuljahresbeginn für längerfristige Ausfälle "verbraten" werden und dadurch nicht mehr für akute Notfälle zur Verfügung stehen. Die Personaldecke an den Schulen reiche in der Regel gerade einmal für die Grundversorgung im Pflichtbereich aus. "Störfälle" durch Krankheiten, Fort­bildungen oder außerunterrichtliche Veranstaltungen seien dabei nicht vorgese­hen. Die Vorgabe des Kultusministeriums, Schulen müssten "Konzepte zur Ver­meidung von Unterrichtsausfällen entwickeln", hört sich nach Auffassung des VBE eher nach Gesundbeterei an. "Wenn ein Rock eindeutig zu kurz ist", so der VBE-Chef, "kann man noch so oft am Saum zuppeln und ziehen, das Knie wird weiter sichtbar bleiben." Gegen Lehrermangel gebe es nur ein vernünftiges Ge­genmittel und das heißt: Mehr Lehrer einstellen! Die Landesregierung friere je­doch Stellen ein und schichte sie um, anstatt sie in die Hauptschule zu investie­ren. Dort müsste die Schüler-Lehrer-Relation so gut, der Klassenteiler so niedrig sein, dass alle Schüler individuell "gecoacht", also gefördert werden können.


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