VBE sieht Grundschulpädagogen weiterhin abgehängt

"In Baden-Württemberg sollen Grundschullehrer auch künftig am kürzes­ten ausgebildet, weiterhin schlechter besoldet und grundsätzlich mit einem höheren Deputat bedacht werden als die Kollegen an den Gymnasien und an den Haupt- und Realschulen", moniert der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Rudolf Karg (Karlsruhe). "Keiner käme auf die abstruse Idee, Kinderärzte kürzer auszubilden oder schlech­ter zu bezahlen als jene Mediziner, die Erwachsene behandeln; bei Lehrern ist das jedoch Usus", schimpft der VBE-Chef.

06.03.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Der VBE begrüßt ausdrücklich, wenn sich in der Regierungskoalition die FDP jetzt dafür stark macht, dass bei der Neuordnung der Lehrerausbildung angehen­de Grundschullehrer ebenfalls acht Semester studieren dürfen - wie alle anderen Lehramtsstudenten. Ab 2010 sollen Hauptschullehrer gemeinsam mit Realschul­lehrern ausgebildet, die Grundschullehrer abgekoppelt werden. Da die Grund­schule für alle Schüler die Basis erfolgreichen Lernens ist und moderner Grund­schulunterricht mit einer Fremdsprache und der Erstellung individueller Lern- und Förderpläne bei einer sehr heterogenen Schülerschaft nur funktioniert, wenn die Lehrkräfte hervorragend ausgebildet sind, darf man beim Studium keine Ab­striche machen. Noch immer wird die Arbeit der unterschiedlichen Lehrergrup­pen nach dem Alter der Schüler und deren sozialen Herkunft bewertet und ent­sprechend besoldet. Der Umgang mit jüngeren und bildungsschwächeren Schü­lern wird gesellschaftlich geringer geschätzt und weniger honoriert als das Un­terrichten älterer Schüler und solcher aus "besseren" Kreisen.

In Nordrhein-Westfalen werden künftig alle Lehrer, unabhängig von der Schul­art, an der sie später unterrichten, zehn Semester lang an der Universität auf den Beruf vorbereitet. "Die dortige Landesregierung macht auf diese Weise dem un­sinnigen Denken ein Ende, die Lehrerausbildung könne umso kürzer sein, je jünger die zu unterrichtenden Kinder sind", lobt Rudolf Karg diesen echten Pa­radigmenwechsel in der Bildungspolitik. Seit Jahren mahnt der VBE: "Alle Leh­rer sind Lehrer", ohne deshalb den "Einheitslehrer" zu fordern. So werden Phy­sik- und Lateinlehrer von der Fachrichtung her zwar unterschiedlich ausgebildet, ansonsten jedoch gleichartig und vor allem gleichwertig. Grundschullehrkräfte aber mussten sich schon immer mit einem Schmalspurstudium begnügen.


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