VBE Südbaden: Krankenkassen dürfen sich nicht aus Verantwortung stehlen
Lehrerinnen und Lehrer beobachten eine steigende Zahl von behandlungsbedürftigen Kindern mit Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen oder psychosomatischen Störungen bis hin zu krankhafter Aggressivität. In den Praxen der Kinder- und Jugendpsychiater sind aber Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr auf einen ersten Termin keine Seltenheit. Für Barbara Timm (Müllheim), Vorstandsmitglied des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden, sind diese Terminsetzungen schon ein unvertretbar langer Zeitraum. Dieser droht durch den Ausstieg der Krankenkassen aus der Sozialpsychiatrievereinbarung nun weiter verlängert zu werden. "Dies ist ein unhaltbarer Zustand", schimpft Barbara Timm.
03.11.2008 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergBislang konnten Kinder- und Jugendpsychiater mit anderen Berufsgruppen wie beispielsweise Heil- oder Sozialpädagogen, die über eine entsprechende Zusatzausbildung verfügen, eng zusammenarbeiten und so die Wartezeiten zumindest eindämmen. Dies wird durch den Ausstieg künftig nicht mehr möglich sein. Viele niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater stehen jetzt vor der Frage, ob sie ihre Mitarbeiter aus den genannten Berufsgruppen entlassen müssen. Da auch die Schulpsychologen hoffnungslos überlastet sind, wird sich niemand mehr rechtzeitig um diese Kinder und Jugendlichen kümmern können", kritisiert Timm, die auch das Referat "Sonderschule" im VBE Südbaden leitet. "Lehrkräfte und Eltern können aber nicht die Aufgaben von Psychologen oder Psychiatern mit übernehmen. Damit sind sie überfordert."
"Täglich lesen und hören wir Nachrichten über Jugendgewalt, antisoziales Verhalten von Kindern und Jugendlichen oder überforderte Familien, die ihre Kinder vernachlässigen", so Barbara Timm abschließend. "Diese Meldungen zeigen, wie wichtig ein schnelles Eingreifen sein kann, um Schlimmeres zu verhindern. Gefährdeten Kindern muss zeitnah die Behandlung zukommen, die sie brauchen, auch um ihnen schulischen Erfolg zu ermöglichen. Deshalb muss die Zusammenarbeit zwischen den Kinder- und Jugendpsychiatern und den anderen Berufsgruppen erhalten bleiben und durch die Krankenkassen abgesichert werden", ist der VBE Südbaden überzeugt. Deshalb fordert er die Krankenkassen mit Nachdruck auf, auch über den beabsichtigten Kündigungstermin (30.03.2009) hinaus die bisherige Zusammenarbeit zu ermöglichen.
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