VBE warnt: Mediale Reizüberflutungen verhindern eigene Umwelterfahrungen von Schülern
"Noch nie zuvor bekamen Schüler die ganze Welt frei Haus geliefert und haben selbst so wenig Zugang zur realen Umwelt", beklagt der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Gerhard Brand. Dieses überreiche Medienangebot sei für Kinder und Jugendliche erst dann positiv, wenn sie verantwortungsbewusst und sinnvoll damit umgehen können. Den meisten Schülern mangelt es nicht an Zugangsmöglichkeiten zu modernen Medien, sondern am Willen, diese nicht ständig zu benützen und lieber reale Erfahrungen aus erster Hand zu machen.
13.02.2011 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergKinder und Jugendliche bekommen über den Bildschirm die ganze Welt frei Haus geliefert, können aber immer weniger mit Worten ausdrücken, was sie gesehen haben. Sprachentwicklungsstörungen bei Kindergarten- und Grundschulkinder haben erschreckend zugenommen. "Wie sollen Kinder in der Schule Aufsätze schreiben, wenn ihnen dafür schlichtweg die Worte fehlen?", fragt der VBE-Chef.
Aufgabe von Computer und Fernsehen ist es nicht, Kinder "ruhig zu stellen". Der Bildschirm sei ein ganz schlechter Babysitter und ein noch schlechterer Elternersatz, warnt Brand. Der VBE appelliert an alle Erziehungsberechtigten, Kinder vor dem Fernsehapparat und dem Computer nicht alleine zu lassen und gezielt auch den Ausknopf zu drücken, um Kindern Gelegenheit zu geben, sich im Freien zu bewegen. Eltern sollen außerdem mit ihren Kindern über Filme und PC-Spiele reden. Medienkompetenz kann sich vor allem durch Sprechen und Nachdenken über das Gesehene entwickeln.
Dem Lehrerverband liegt es fern, moderne Medien zu verteufeln, denn der gezielte Einsatz von Fernsehen und Computer kann sich natürlich auch positiv auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auswirken. Wenn Kinder aber zu oft vor dem Bildschirm sitzen, verbleibt zu wenig Zeit, die Umwelt auf eigene Faust zu erkunden. Immer mehr Kinder machen heute weniger reale Umwelterfahrungen, sondern erlebten diese lediglich aus zweiter Hand via Mattscheibe.
"Kein noch so pädagogisch wertvoller Fernsehfilm und kein noch so anspruchsvoll gestaltetes Computerprogramm können vermitteln, wie nasse Lauberde riecht, sich Baumrinde anfühlt oder wie Walderdbeeren schmecken", bringt Brand es auf den Punkt.
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