VBE zu Fächerverbünden: Da wird oft was zusammen geschweißt, was nicht zusammen gehört
Mit Einführung der neuen Bildungspläne entstanden hauptsächlich an der Hauptschule so genannte Fächerverbünde, die traditionelle Unterrichtsfächer zu neuen Einheiten verschweißen sollten. Als besonders unsinnig wurde das nach Kenntnisstand des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) im Bereich MSG (Musik, Sport, Gestalten) empfunden. Jetzt soll dieses künstliche Konstrukt auch für die Grundschullehrerausbildung Maßstab sein.
25.05.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergMit den größten Veränderungen in der Stundentafel mussten nach der Bildungsplanreform die Hauptschulen fertig werden. Deutsch, Mathematik, Englisch und Religion standen nicht zur Disposition; alle übrigen Unterrichtsfächer wurden zu insgesamt vier Fächerverbünden zusammengefasst. Während eine Zusammenlegung der Fächer Chemie, Physik, Biologie, Hauswirtschaft und Technik zu "MNT" (Materie, Natur, Technik) einleuchtend und auch zweckmäßig erschien, rief die Zwangszusammenführung von Musik, Sport und Kunst zum neuen Verbundfach "MSG" (Musik, Sport, Gestalten) bei Lehrern, Eltern und Schülern Kopfschütteln hervor, zumal diese Neuerung nur für Hauptschulen, nicht aber für Gymnasien und Realschulen galt. Jetzt soll auch die neue Grundschullehrerausbildung das zusammenbringen, was besser getrennt bleiben sollte.
Unterrichtet man den Fächerverbund MSG nach der reinen Lehre, leiden nicht nur die fachlichen Basiskompetenzen unter dieser Zwangsvermählung, sondern auch die differenzierten Schülerbewertungen. Gerade im künstlerisch-sportlichen Bereich ist solch ein Fächerverbund für die wenigsten Schüler motivierend und leistungssteigernd. Die nivellierende Verbund-Note ruft bei allen Beteiligten eher Unmut hervor: Sport "sehr gut", Musik "mangelhaft" und Kunst "ausreichend" ergibt die nichts sagende MSG-Zeugnisnote "befriedigend".
Da nach einer Intervention des Landtags mittlerweile die beste Einzel-Note aus dem Fächerverbund MSG zusätzlich im Zeugnis ausgewiesen werden muss (die es in einem Verbund eigentlich gar nicht mehr geben dürfte!) und nur diese Einzelzensur versetzungsrelevant ist (nicht die Verbundnote), sollte man schnellstmöglich zugeben, dass es ein Fehler war, interdisziplinär arbeiten zu wollen, wo es wenig sinnvoll ist, und die Benachteiligung der Hauptschüler gegenüber den Gymnasiasten und Realschülern umgehend rückgängig machen. Außerdem sollte man unbedingt davon Abstand nehmen, jetzt auch noch an Grundschulen das künstlich zusammen zu schweißen, was zwar in Projekten durchaus einmal eine Schnittmenge haben kann, was aber im Alltag einfach nicht zusammen gehört.
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