Wie verändert Multimedia die Schullandschaft?
Niemand braucht mehr darüber zu orakeln, in welche Richtung sich die Schulen in der neuen Medienwelt entwickeln. Die Studie Delphi bringt Orientierung. „Neue Medien bringen nicht automatisch eine neue Lernqualität“, resümierte Prof. Dr. Witlof Vollstädt auf der didacta, „Lehrer müssen über neue Lernarrangements nachdenken.“
24.02.2006 ArtikelVollstädt ist Autor der Delphi-Studie, in der 100 Erziehungswissenschaftler und Medienpädagogen, Lehrer und Referendare von 1999 bis 2002 befragt worden waren. Die Ergebnisse dienten den Schulbuchverlagen zur Orientierung, die Produktpalette auf der didacta zeigt Neuentwicklungen, die auf Grundlage von Delphi entstanden sind. Und die Podiumsdiskussion auf der didacta führte noch einmal vor Augen, wie sich die gemachten Aussagen bewahrheiten. Geprägt von vorsichtigem Optimismus, äußerten sich die Experten zurückhaltend, prophezeiten eine schleppende Einführung neuer Medien an Schulen. Das habe sich auch bisher bestätigt: Die neuen Medien haben traditionelle Bücher keineswegs verdrängt, stattdessen ergänzt.
Martin Hüppe, Geschäftsführer von Cornelsen in Berlin, bekennt: „Die Delphi-Studie hat uns bestärkt, zum Lehrbuch digitale Erweiterungen anzubieten.“ Gleich drei neue Reihen sind am Stand von Cornelsen zu sehen: Unter dem Banner „im Kontext“ wird im Sommer der Band Chemie für die Sekundarstufe II erscheinen. Darin werden chemische Stoffe nicht deskriptiv behandelt, sondern bezogen auf Einsatz und Wirkung behandelt – eben im Kontext. Ähnlich ist die neue Lehrbuchreihe „Fokus“ in Mathematik, Biologie, Physik und Chemie angelegt. Im Lehrbuch ist die CD-ROM direkt eingelegt, mit ergänzendem Material wie Videos oder Animationen. Und in der Buchreihe „interaktiv“ verweisen Codes vom Buch auf die entsprechende Stelle der CD-ROM. Die Bücher sind für Realschule und Gymnasium konzipiert. Nur in Bayern ist es nicht erlaubt, dem Lehrbuch eine Multimedia-CD-ROM beizulegen.
Auch bei Übungsheften, wie sie mittlerweile von allen Verlagen erhältlich sind, wird der Trend deutlich: Es werden alle Medien gemeinsam entwickelt, zum Übungsheft gehört für einen nur geringen Aufpreis eine CD-ROM oder eine Audio-CD. Und auf der CD-ROM zum Schulbuch erhält der Lehrer gleich noch eine praktische Software zur Unterrichtsplanung gereicht – der Stoffverteilungsplaner listet den Lernstoff des Faches für ein ganzes Jahr und macht dem Lehrer Vorschläge, wie er den Stoff verteilen kann. Fallen Stunden aus, passt die Software den Lernstoff auf die verbleibenden Stunden an.
„Blended Learning und ein gelungener Medienmix bestimmen die Lehrwerke der Zukunft“, stellte Martin Hüppe von Cornelsen fest.
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