Wolff: "Eckpfeiler der Hochbegabtenförderung im hessischen Schulwesen"

Kultusministerin Karin Wolff hat die begabungsdiagnostische Beratungsstelle BRAIN (Beratung und Information über besondere Begabung) für ihre bedeutenden Impulse in der Hochbegabtenförderung des Landes gewürdigt.

08.10.2004 Hessen Pressemeldung Hessisches Kultusministerium

Aus Anlass des fünfjährigen Bestehens der Beratungsstelle sagte sie heute in Marburg: "BRAIN ist der Eckpfeiler der Hochbegabtenförderung im hessischen Schulwesen." Die Beratungsstelle habe an allen Projekten - von der Schulpsychologen- und Lehrerfortbildung über das zweijährige Grundschulprojekt bis zum aktuellen Gütesiegel für hochbegabungsfördernde Schulen - engagiert und kompetent mitgewirkt. BRAIN feierte das fünfjährige Bestehen mit einer Fachtagung, bei der u.a. Prof. Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin zum Thema "Begabungsförderung im gegliederten Schulsystem" sprach.

BRAIN wurde im September 1999 vom Kultusministerium an der Philipps-Universtität Marburg eingerichtet. Sie wird geleitet von Prof. Detlef H. Rost. Er leitet seit 1987 das "Marburger Hochbegabtenprojekt", eine fachpsychologische empirische Studie zur Lebensumweltanalyse hochbegabter Kinder und Jugendlicher in Deutschland. Das Projekt hat neue und wegweisende Erkenntnisse zu Tage gefördert, die in vielfacher Hinsicht geeignet sind, verbreitete Vorurteile zum Thema Hochbegabung zu entkräften und damit den Zugang zu einer sachbezogenen Integration auch dieses Themas in den allgemeinen Förderkanon der Schulen frei zu machen.

"Mit der Gründung von BRAIN haben wir dem Wunsch vieler Eltern nach einer mit staatlicher Autorität ausgestatteten kompetenten und neutralen Diagnostik- und Beratungsstelle entsprochen", so Wolff. BRAIN bietet zunächst telefonische und sodann auch persönliche Beratung an, bei Bedarf zudem eine psychologische Testdiagnostik. Beratung und Diagnostik bei BRAIN erfolgen durch speziell ausgebildete Diplom-Psychologinnen und -Psychologen; die Räumlichkeiten werden von der Universität Marburg zur Verfügung gestellt.

Von September 1999 bis Juli 2004 hat BRAIN 919 Beratungsfälle zur genaueren diagnostischen Untersuchung angenommen und 785 Fälle vollständig abschließen können (mit einem Aufwand von rund 17 Zeitstunden pro Fall). Rund ein Drittel der untersuchten Kinder konnten als hochbegabt diagnostiziert werden. In 71,2 Prozent der Beratungsfälle waren langfristig deutliche und anhaltende Verbesserungen im Verhalten der Kinder und Jugendlichen zu verzeichnen. In jeweils zwei anschließenden Evaluationsabfragen hat BRAIN von den Eltern ausgezeichnete Bewertungen erhalten.

Der Lehrstuhl von Prof. Rost und die Beratungsstelle BRAIN begleiten zudem die Fortbildung von Schulpsychologinnen und -psychologen und Lehrkräften sowie die Einrichtung unterrichtspraktischer Förderkonzepte in Schulen. Auf diese Weise ist die enge Verknüpfung von wissenschaftlicher Forschung und schulpraktischem Handeln gewährleistet. "Die Beratungsstelle hat seit ihrer Gründung eine hohe Effektivität in Diagnostik und Beratung unter Beweis gestellt", sagte Wolff. BRAIN habe sich aufgrund der besonderen Qualität von Diagnostik und Beratung einen exzellenten Ruf erworben, wie nicht zuletzt die vielen Beratungsanfragen aus anderen Bundesländern und dem Ausland zeigten. So hat BRAIN in 88 Vorträgen über die laufende Arbeit berichtet, die Hälfte davon in anderen Bundesländern und im Ausland.


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