Zumeldung zu dpa 4079, 13.07 Uhr - KMK-Präsident: Schulen brauchen pädagogische Reformen

Plädoyer für Einheitsschule nicht nachvollziehbar / Schlüssel für Entkoppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg liegt in frühkindlicher Förderung Das dreigliedrige Schulsystem Baden-Württembergs eröffnet jungen Menschen eine Vielzahl an Anschluss- und Aufstiegs-möglichkeiten / "Muñoz missachtet die Bedeutung des berufli-chen Schulwesens"

21.03.2007 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

"Ein flüchtiger Blick auf die deutsche Schullandschaft rechtfertigt keine weit reichenden Schlussfolgerungen. Der Bericht von Herrn Muñoz ist für mich deshalb in weiten Teilen ein Muster ohne Wert." Dies sagte Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau MdL am Mittwoch (21. März) anlässlich des heute in Genf vorgestellten Berichts des Menschenrechtsinspektors der Vereinten Nationen (VN), Vernor Muñoz, über das deutsche Schulsystem. An den Empfehlungen könne man ablesen, dass er seinen Deutschlandbesuch wohl mit einer feststehenden Meinung angetreten habe. "Herr Mu-ñoz übersieht völlig, dass das von ihm vehement kritisierte dreigliedrige Schulwesen den jungen Menschen in Baden-Württemberg eine Vielzahl an Anschluss- und Auf-stiegsmöglichkeiten eröffnet", monierte Rau. Ein Drittel der Abiturienten komme im Südwesten über die beruflichen Gymnasien zur Allgemeinen Hochschulreife und 45 Prozent der Hauptschüler würden im beruflichen Schulwesen einen mittleren Bil-dungsabschluss erwerben.

Diese Fakten nehme der VN-Menschenrechtsinspektor nicht zur Kenntnis. Die heraus-ragende Bedeutung der beruflichen Schulen im Schulsystem Baden-Württembergs werde von ihm völlig ausgeblendet. Er habe auch keine einzige Schule in Baden-Württemberg besucht. "Damit hat Herr Muñoz sichergestellt, dass er seine Vorteile nicht auf den Prüfstand stellen musste. Ihm fehlt die Kompetenz, das Schulsystem Ba-en-Württembergs angemessen beurteilen zu können", betonte Rau.

"In einem Punkt hat Herr Muñoz Recht. Die Überwindung des engen Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist eine der Legitimationsfragen an un-ser Bildungssystem insgesamt. Das Plädoyer von Herrn Muñoz für eine Einheitsschule als Patenrezept gegen mangelnde Bildungschancen von Migranten und sozial Schwä-cheren ist für mich aber nicht nachvollziehbar", sagte Rau. Der Schlüssel für ein Auf-brechen des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg liege viel-mehr in der frühkindlichen Bildung bzw. Förderung. In den frühen Jahren würden die Weichen für eine gelingende Schulkarriere gestellt. "Unser Ziel muss es sein, dass alle Kinder mit den gleichen Startchancen ihre Schullaufbahn beginnen und bereits im Kindergarten ihren Talenten und Begabungen entsprechend optimal gefördert werden", bekräftigte der Kultusminister. Mit dem neuen Orientierungsplan für Kindergärten und dem Projekt Schulreifes Kind habe die Landesregierung die frühkindliche Bildung zu einem ihrer bildungspolitischen Schwerpunkte gemacht.


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