Mehr Entscheidungsfreiheit für Schulen soll Lernergebnisse der Schüler verbessern
Unter der Überschrift "Selbstverantwortung plus" steht ein neues Modellprojekt, mit dem Kultusministerin Karin Wolff ab 1. Januar 2005 eine erweiterte Selbstständigkeit von Schulen erproben will. Den Schulen wird mehr Entscheidungsfreiheit in organisatorischen, personellen und finanziellen Fragen gegeben. Erprobt wird "Selbstverantwortung plus" an zunächst 17 beruflichen Schulen.
21.12.2004 Pressemeldung Hessisches Kultusministerium"Im Kern geht es um die Steigerung und Sicherung der Qualität des Unterrichts. Fragen der Organisation, Leitung oder Finanzierung der Schule werden künftig unter dem Aspekt bewertet, ob und wie sie die Qualität des Unterrichts und die Lernergebnisse verbessern", sagte Wolff. Sie gab heute die Entscheidung bekannt, dass alle 17 Schulen (siehe Anhang), die sich beworben hatten, in das Modellprojekt einbezogen werden.
Das im Regierungsprogramm angekündigte Vorhaben der Landesregierung wird zum 1. Januar 2005 mit einer halbjährigen Vorlaufphase beginnen und eine Projektlaufzeit von insgesamt fünf Jahren umfassen. "Alle Schulen haben sich hervorragend präsentiert und ihre Projektansätze überzeugend dargestellt", lobte die Ministerin die Qualität der Bewerbungen. Die Auswahl stelle zudem einen erfolgreichen Ergebnistransfer in Aussicht: "Wir werden mit 13 Schulträgern zusammenarbeiten, zwölf Schulämter einbeziehen, eine gute regionale Abdeckung haben und unterschiedlichste Schulstrukturen in das Vorhaben einbeziehen", so Wolff. Die Verbundvorhaben von vier beruflichen Schulen hob sie besonders hervor. "Auf diesem Weg können Modelle erprobt werden, die beispielhaft auch für neue Strukturen stehen", sagte die Ministerin.
Als besondere Vorhaben der Unterrichts- und Schulentwicklung haben die Schulen u.a. die Einrichtung eines Assessment-Centers für Schülerinnen und Schüler, die internationale Ausrichtung der Bildungsarbeit, E-Learning-Projekte, das virtuelle Klassenbuch, die Einführung der kaufmännischen Buchführung und die Vermarktung von Produkten wie auch die Stärkung der Selbstverantwortung von Schülerinnen und Schülern vorgeschlagen.
Laut Wolff haben in beiden PISA-Studien solche Länder überdurchschnittlich gut abgeschnitten, in denen Schulen ein hohes Maß an Selbstständigkeit zugestanden wird. "In Kanada oder den skandinavischen Ländern etwa wird Eigenverantwortung als wesentlicher Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Schulen gesehen", sagte sie. Nachdem Hessen bereits mit dem Ersten und Zweiten Gesetz zur Sicherung der Qualität die Leistungsfähigkeit der Schulen verbessert habe, schaffe das Dritte Qualitätssicherungsgesetz ab Januar 2005 nunmehr die Grundlage, um eine an Zielen orientierte selbsttätige und eigenverantwortliche Schule zu entwickeln.
Die größere Selbstständigkeit soll dazu beitragen, dass die Projektschulen ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag besser gerecht werden können. Entscheidungen sollen daher nach Möglichkeit dort getroffen werden, wo sie sich auswirken. "Wichtigste Aufgabe der selbstverantwortlichen Schule ist die Qualitätsentwicklung der pädagogischen Arbeit", sagte die Ministerin. Eng damit verbunden sei die pädagogische Weiterentwicklung der Schulen im Zusammenhang mit der Förderung des lebensbegleitenden Lernens. Die Schulen müssten mehr als bisher ihr eigenes - auch an der Region orientiertes - Profil entwickeln können. "Selbstverantwortung plus" sei somit auch ein Projekt, das die Entwicklung regionaler Bildungsstrukturen stärke.
In einem nächsten Schritt müssen nun Verhandlungen mit den Schulträgern über deren Beteiligung und Unterstützung geführt werden. In Kooperationsvereinbarungen zwischen der selbstverantwortlichen Schule, dem Schulträger und dem Staatlichen Schulamt werden die gemeinsamen Ziele und Leistungen für die Durchführung des Modellprojektes festgelegt.
"Die Übertragung von Selbstverantwortung auf Einzelschulen schafft insbesondere für berufliche Schulen Anreize und Freiräume für neue Kooperationsformen und Netzwerkbildungen in der Region", erklärte Wolff. Berufliche Schulen übernehmen dabei zentrale Aufgaben: Lernwege zur beruflichen Weiterbildung können erschlossen werden, Methodenkompetenz für selbstständiges Lernen wird ausgebaut und Barrieren zu außerschulischen Lernorten werden überwunden. Ziel ist die Entwicklung zu Kompetenzzentren durch enge regionale Zusammenarbeit mit anderen Schulen, Institutionen der Wirtschaft und Kooperationen mit Universitäten und Fachhochschulen.
Wolff erwartet, dass "von dem Modellprojekt viele positive Impulse für die Qualitätsentwicklung ausgehen, die nicht nur die ausgewählten Projektschulen, sondern die gesamte hessische Schullandschaft prägen werden". Sie strebt an, genügend abgesicherte Ergebnisse des Modellprojektes bereits während der Versuchsphase soweit und so schnell wie möglich auch für andere Schulen und Schulformen zu nutzen.
Am Modellprojekt "Selbstverantwortung plus" nehmen folgende berufliche Schulen teil:
Gewerblich-Technische Schulen und Theodor-Heuss-Schule (Verbund), Offenbach
August-Bebel-Schule, Offenbach
Max-Eyth-Schule, Dreieich
Berufliche Schulen des Odenwaldkreises, Michelstadt
Berufliche Schulen Untertaunus, Taunusstein
Berufliche Schulen des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Korbach
Berufliche Schulen, Witzenhausen
Eugen-Kaiser-Schule und Ludwig-Geissler-Schule (Verbund), Hanau
Hans-Viessmann-Schule, Frankenberg
Johann-Philipp-Reis-Schule, Friedberg
Konrad-Zuse-Schule, Hünfeld
Martin-Behaim-Schule, Darmstadt
Oskar-von-Miller-Schule, Kassel
Peter-Paul-Cahensly-Schule, Limburg
Werner-Heisenberg-Schule, Rüsselsheim.
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