Baden-Württemberg: 155 000 Beschäftigte in der Kultur- und Kreativwirtschaft

Anlässlich des heute in Ludwigsburg beginnenden Creativity World Forum 2009 veröffentlicht das Statistische Landesamt mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums die Broschüre "Informations- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg". Darin wird ein Gesamtüberblick über die Beschäftigung in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg gegeben. Kreativität ist die Ressource der Zukunft. Da viele Branchen der Kreativwirtschaft eng mit den elektronischen Medien verbunden sind, wird in der Broschüre auch die Nutzung des Internets in den baden-württembergischen Unternehmen und Haushalten dargestellt. Außerdem wird die Bedeutung der im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) tätigen Branchen für die Beschäftigung im Land aufgezeigt.

01.12.2009 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Mit 155 000 Erwerbstätigen ist die Kultur- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg zwar nur halb so groß wie der Maschinenbau (315 000 Erwerbstätige) und auch deutlich kleiner als der Fahrzeugbau (238 000 Erwerbstätige). Die Zahl der in diesem Wirtschaftszweig Beschäftigten ist aber mehr als doppelt so hoch wie in der Chemischen Industrie. Die Kultur- und Kreativwirtschaft führt also schon längst kein Nischendasein mehr im Land. Im Gegenteil: Ihr Beschäftigungsanteil in Baden-Württemberg liegt mit 3,7 Prozent sogar über dem Bundesdurchschnitt in Höhe von 3,2 Prozent.

Rund 44 Prozent der Erwerbstätigen in der Kreativ- und Kulturwirtschaft arbeitet in der Software-Industrie (einschließlich Entwicklung von Computerspielen). In den Unternehmen der Design- und Werbewirtschaft sind zusammen 16 Prozent der Beschäftigten tätig und auf die Pressewirtschaft sowie die Rundfunkwirtschaft entfallen rund 12 Prozent der Erwerbstätigen in der Kreativ- und Kulturwirtschaft im Land.

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Beschäftigten in der Kultur- und Kreativwirtschaft des Landes per saldo um 17 000 gestiegen. Das entspricht einer überdurchschnittlichen Steigerungsrate von 12 Prozent. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen in Baden-Württemberg hat im gleichen Zeitraum lediglich um 5 Prozent zugenommen. Ein Wachstumsmotor der Kultur- und Kreativwirtschaft war dabei die Branche der Software- und Games-Entwickler. Dort stieg die Zahl der Beschäftigten um 25 000. Dagegen sank sie im Architekturmarkt, im Werbemarkt, in der Filmwirtschaft sowie im Buch- und Pressemarkt. Für die meisten der rund 28 000 Unternehmen und Freiberufler in der baden-württembergischen Kultur- und Kreativwirtschaft ist der Einsatz moderner Technologien, insbesondere der Informations- und Kommunikationstechnik unabdingbar. Ihr ganzes Potential entwickelt die Kreativwirtschaft im Austausch mit ihren Kunden und übrigen Geschäftspartnern. Das Medium Internet ist dafür unverzichtbar. In Baden-Württemberg findet die Kultur- und Kreativwirtschaft dabei ein günstiges Umfeld vor. So weisen die Unternehmen und Haushalte im Land im europäischen Vergleich eine überdurchschnittliche "Internet-Affinität" auf. Rund 80 Prozent der Unternehmen sind mit einer eigenen Web-site im "world wide web" vertreten und 75 Prozent der Haushalte verfügen über einen Internetzugang. Im Durchschnitt der vergleichbaren EU-Länder (EU-15) liegen die Werte um jeweils rund 10 Prozentpunkte niedriger. Beim Einsatz von E-Business-Anwendungen zum Management von Kundendaten sind die Firmen hier im Land sogar europaweit führend: 54 Prozent der hiesigen Unternehmen setzt ein derartiges Instrument ein, während in Deutschland der Anteil lediglich bei 45 Prozent und in den EU-15-Ländern sogar nur bei 30 Prozent liegt. Allerdings gibt es auch im Land in manchen Bereichen der Internet-Anwendung noch einiges zu tun: So werden die vielfältigen Möglichkeiten des E-Learnings zur Aus- und Weiterbildung ihrer Beschäftigten vor allem in den baden-württembergischen Unternehmen nur zögerlich genutzt. Lediglich 15 Prozent der Firmen setzten E-Learning-Anwendungen ein. Im Durchschnitt der EU-15-Länder sind es 23 Prozent. Bei den privaten Haushalten liegt der Anteil der Personen, die das Internet zu Lernzwecken nutzen, mit 28 Prozent immerhin fast gleichauf mit dem Durchschnittswert der EU-15 Länder (29 Prozent).

Dabei sind die Voraussetzungen für eine weitere Intensivierung der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in Baden-Württemberg ausgesprochen günstig. Das Land verfügt über eine bedeutende IKT-Wirtschaft, in der rund 232 000 Personen beschäftigt sind. Die Software- und Games-Entwickler sind nicht nur Teil der Kreativwirtschaft sondern auch der IKT-Wirtschaft. Hinzu kommen u.a. die Betreiber von Datenbanken, technische Berater, Telekommunikationsunternehmen und die Hersteller von IKT-Geräten. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Beschäftigten in der IKT-Wirtschaft um 24 000 Personen erhöht. Das Wachstum vollzog sich dabei ausschließlich im Bereich der IKT-Dienstleistungen, wo die Zahl der Beschäftigten um 30 000 stieg. In den IKT-Waren produzierenden Branchen, wie beispielsweise bei den Herstellern von Hardware, ging die Zahl der Arbeitsplätze um 6 000 zurück. Kultur- und Kreativwirtschaft ist regional stark konzentriert

In nur vier Kreisen des Landes weist die Kultur- und Kreativwirtschaft mehr als 10 000 Beschäftigte auf. Diese sind: der Stadtkreis Stuttgart mit einem Anteil der Kultur- und Kreativwirtschaft an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen von 7,7 Prozent, der Landkreis Böblingen (6,1 Prozent), der Stadtkreise Karlsruhe (7,8 Prozent) und der Rhein-Neckar-Kreis (11,1 Prozent). Den höchsten Beschäftigungsanteil besitzt die Kultur- und Kreativwirtschaft allerdings im Stadtkreis Baden-Baden mit 13,8 Prozent, obwohl die Branche dort weniger als 5 000 Beschäftigte zählt. Die Spezialisierung der Kultur- und Kreativwirtschaft in den Kreisen ist zum Teil sehr ausgeprägt: Im Rhein-Neckar-Kreis sowie im Stadtkreis Karlsruhe spielt die Software-/Games-Industrie eine große Rolle, in der Landeshauptstadt erfolgte eine Spezialisierung auf den Buchmarkt, die Rundfunkwirtschaft und den Architekturmarkt, in Böblingen auf die Designwirtschaft (Industriedesign) und in Baden-Baden auf die Rundfunkwirtschaft.


Weiterführende Links

  • Informations- und Kreativwirtschaft in Baden-Württemberg (PDF)
  • ICT Business and Creative Industries in Baden-Württemberg (PDF)

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