Studie

Besser wohnen - besser lernen

(red/pm) Problemviertel in bundesdeutschen Städten haben negative Auswir­kungen auf die Entwicklungs- und Gesundheitschancen von Mädchen und Jungen – unabhängig davon, welcher sozialen Schicht sie angehören.

18.10.2010 Artikel

Eine bessere Bildung und Gesundheit bekommen hingegen Kinder und Jugendliche, die in so genannten gehobenen Gegenden aufwachsen. Für Kinder aus problematischen sozialen Verhältnissen wirkt dieses Umfeld stabilisierend. Das ist das Ergebnis eines wissenschaftlichen Kooperationsprojektes der empirica AG, des Robert Koch-In­stituts (RKI) und der Bertelsmann Stiftung. Grundlage dieser repräsentativen Studie für das ge­samte Bundesgebiet ist eine Auswertung von Datensätzen des Kinder- und Jugendgesundheits­survey des RKI in Kombination mit Informationen zum Wohnquartier, also der Baustruktur, dem Mietpreisniveau und der Bevölkerungsdichte.

Die Studie belegt eindeutig, dass der Quartierseinfluss sogar die soziale Mittelschicht teilt. Es macht für das gesundheitliche Verhalten einen signifikanten Unterschied aus, ob Familien in der Stadt überwiegend in Einfamilienhäusern mit einem mittleren bis hohen lokalen Mietpreisniveau leben oder in städtischen Wohnnachbarschaften mit niedrigen Mieten und viel Geschosswoh­nungsbau. So greifen in den städtischen Problemvierteln schwangere Frauen öfter zur Zigarette und stillen ihr Kind seltener: Dies gilt insbesondere auch für Schwangere aus der sozialen Mittel­schicht.

Auch für die Bewegungsentwicklung von Kindern ist mit zunehmendem Alter das nachbarschaftli­che Umfeld entscheidender als der soziale Status. Mädchen und Jungen, die im Problemkiez auf­wachsen, sind unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund weniger – um knapp 12 Prozentpunkte – körperlich aktiv als ihre Altersgenossen in den gehobenen Stadtteilen. Bei den drei- bis sechsjäh­rigen Kindern, die an Übergewicht leiden, verschwimmen in hochbesiedelten Quartieren mit güns­tigen Wohnungen die Unterschiede zwischen Mittel- und Unterschicht. Der Quartierseinfluss wirkt hier gleichermaßen belastend.

Zudem verbringen auch Kinder aus der sozialen Mittelschicht in preislich günstigen Wohngegen­den überdurchschnittlich viel Zeit vor dem Fernseher (6,6 Prozent mehr) und dem Computer (11,6 Prozent mehr), als in den teureren städtischen Wohngegenden. Umgekehrt kann ein attraktiver Lebensraum helfen, schwierige familiäre Verhältnisse zu stabilisieren und Kindern neue Perspekti­ven bieten.

Die Daten der Studie sind Teil des neuen ["KECK-Atlas"](http://www.keck-atlas.de. Mit "KECK – Kom­munale Entwicklung – Chancen für Kinder" will die Bertelsmann Stiftung Kommunen bei der nach­haltigen Förderung von Kindern- und Jugendlichen unterstützen.


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