Bildung ist das Schlüsselwort
(bikl) Im Kanzleramt kommen am Vormittag Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Migranten-Organisationen zum Integrationsgipfel zusammen. Verschiedene Verbände und Organisationen haben sich vorab dazu geäußert, wei Integration gelingen kann.
14.07.2006 Artikel"Bei der Suche nach einem besseren und gerechteren Schulsystem muss sich Deutschland aus seiner ideologischen Sackgasse heraus bewegen", sagt Johannes Meier, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung." Integration in Deutschland könne nur dann gelingen, wenn jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft eine wirkliche Chance bekomme, sein Potenzial zu entfalten. Dafür müssten unter anderem die Ressourcen für Kinder und Jugendliche vor Ort gebündelt und die verschiedenen Zuständigkeiten im Schul- und Jugendbereich zusammengeführt werden, damit die Kommunen bzw. Regionen die Verantwortung für die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen effektiv übernehmen könnten.
Langfristig trete die Bertelsmann Stiftung für einen Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Kinderbetreuungsplatz vom zwölften Lebensmonat an ein. Vor dem Hintergrund der kommunalen Haushaltsprobleme hätten derzeit Investitionen in die Qualität vorhandener frühkindlicher Betreuungseinrichtungen jedoch erst einmal Vorrang. Nötig sei jetzt außerdem die Einstellung von Lehrern mit Migrationshintergrund, um Migranten-Jugendliche zielgruppenspezifisch zu fördern.
Ähnlich äußerte sich auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE). „Es sollte in Deutschland endlich zur Normalität werden, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund sich auch für den Lehrerberuf entscheiden“, wünschte sich der Bundesvorsitzende des VBE, Ludwig Eckinger. Der VBE-Bundesvorsitzende warnte die Kultusminister der Länder davor, Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund vorrangig an Schulen mit hohen Migrantenanteilen einzusetzen. „Der VBE ist grundsätzlich gegen ‚Gettolehrer’ an ‚Gettoschulen’.“ Eine solche Personalpolitik wäre verheerend und würde die Abkopplung von Migranten im deutschen Schulsystem verschärfen, so Eckinger.
Der Deutsche Philologenverband schlug gleich ein ganzes Bündel an Maßnahmen vor, um die schulischen Perspektiven von Migrantenkindern zu verbessern. Dazu gehören etwa vorschulische sprachliche Förderung, Förderprogramme und Brückenkurse für Migrantenkinder bei schulischen Übergängen, mehr Lehrer, die Kompetenzen im Unterrichten von Deutsch als Fremdsprache. Um eine „Ghettobildung“ und dadurch drohende pädagogische und leistungsbezogene Probleme zu vermeiden, strebt der DPhV eine Quotierung des Migrantenanteils bei den Schülern einer Klasse an. Dieser sollte an weiterführenden Schulen nicht mehr als 25 Prozent betragen.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Bundesverband der Träger beruflicher Bildung e.V. (BBB) haben rechtzeitig vor dem Gipfel vor einem weiteren Qualitätsverlust bei den Integrationskursen gewarnt.Sie kritisierten erneut, dass der Haushalt für die Integrationskurse von 208 auf 141 Millionen Euro gekürzt worden sei.
Links
- Philologenverband stellt Maßnahmenkatalog zur besseren schulischen Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund vor
- GEW und BBB warnen vor weiterem Qualitätsverlust bei Integrationskursen
- Keine ‚Gettolehrer’ für ‚Gettoschulen’
Keine Kommentare vorhanden