Hauptschüler aus Migrantenfamilien legen zusätzliche Prüfung in ihren Muttersprachen ab

Für den Erfolg in Schule und Beruf sind ausgereifte Fähigkeiten in der deutschen Sprache unumgänglich. Immer mehr Jugendliche setzen nun auf eine sprachliche Zusatzqualifikation: Neben der Fremdsprachenprüfung in Englisch legen sie auf freiwilliger Basis eine anspruchsvolle Prüfung in ihrer Herkunftssprache ab. Ihre Kenntnisse und erbrachten Leistungen lassen sich die Schülerinnen und Schüler anschließend im Abschlusszeugnis der Klasse 9 zertifizieren.

05.04.2005 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Kultusministerin Dr. Annette Schavan lobt das zusätzliche Engagement der Hauptschülerinnen und Hauptschüler in Baden-Württemberg: "Die Zusatzprüfung in der eigenen Muttersprache wirkt sich nicht nur positiv auf die Sprachkompetenz aus, sondern stärkt auch die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein der jungen Erwachsenen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die gesteigerten Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt." Im Prüfungsjahr 2005 haben sich 2283 Jugendliche für die zusätzliche Qualifikation in insgesamt zwölf Sprachen angemeldet.

Im Rahmen der Hauptschulprüfung 2005 finden die Prüfungen in der Herkunftssprachen am Mittwoch (6. April) statt. Die Schülerinnen und Schüler können sich in den Sprachen Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Türkisch, Ungarisch und Portugiesisch prüfen lassen. Gegenüber den elf Sprachen im Vorjahr kam nun die Portugiesische hinzu. Auch die Anmeldezahlen stiegen im Vergleich zum vergangenen Jahr um 35 Prozent. Dies zeugt von der breiten Akzeptanz und dem großen Interesse dieses Angebotes.

Im Jahr 2002 nahmen bereits 265 Schülerinnen und Schüler zusätzlich zu der verbindlichen Englisch-Prüfung auch an Italienisch-Prüfungen teil. 2003 wurde das Spektrum der Zertifizierungen auf sechs Sprachen ausgeweitet: Zu Italienisch kamen Türkisch, Russisch, Spanisch, Griechisch und Französisch hinzu. Fast 1000 Jugendliche nutzten diese Chance. Im vergangenen Jahr nahmen über 1500 Hauptschülerinnen und -schüler an den muttersprachlichen Prüfungen teil, wobei die Sprachen Türkisch (685 Teilnehmer), Italienisch (475) und Russisch (394) den größten Zuspruch fanden.

Mit der erfolgreichen Prüfung in der Herkunftssprache wird eine Sprachkompetenz nachgewiesen, die dem Niveau der Anforderungen des Bildungsplanes der Hauptschule für die Fremdsprache Englisch entspricht. Die Prüfungsaufgaben in allen Herkunftssprachen sind nach Form und Inhalt mit den Englisch-Aufgaben vergleichbar und kommen so vom Niveau einer zweiten Fremdsprachenprüfung gleich. Die erfolgreiche Teilnahme an den Prüfungen wird im Abschlusszeugnis als Teil eines erweiterten Bildungsangebotes mit Note dokumentiert.

Die Zertifizierung der Herkunftssprachen wurde 2001 durch eine Vereinbarung zwischen Kultusministerin Dr. Annette Schavan und dem damaligen italienischen Generalkonsul Carloni initiiert. Grundgedanke war, die Talente zu fördern, die die Jugendlichen in ihren Muttersprachen mitbringen. Gleichzeitig sollte durch den Nachweis der zusätzlichen Sprachkenntnisse die Ausbildungsfähigkeit verbessert werden.


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