Erwin Teufel verleiht Preise
Im Rahmen der größten europäischen Bildungsmesse didacta in Stuttgart hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel als Schirmherr den Weiterbildungs-Innovationspreis (WIP) des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) an die vier Preisträger überreicht. Die Bildungsmesse didacta präsentiert noch bis zum 5. März alles rund um Kindergarten, Schule/Hochschule, Ausbildung/Qualifikation sowie Weiterbildung/Beratung.
01.03.2005 Pressemeldung Didacta Verband e.V. / Verband der Bildungswirtschaft"In Deutschland fehlen rund sieben Millionen Arbeitsplätze. Ehemalige Domänen der Deutschen Wirtschaft wie Uhren-, Schmuck- und Textilindustrie sind inzwischen weg gebrochen", sagte Erwin Teufel. Deshalb sei die entscheidende Frage, wo und wie neue Arbeitsplätze entstünden. In den letzten zwei Jahrzehnten habe mit der Globalisierung eine radikale Veränderung der Weltwirtschaft stattgefunden. Noch vor 20 Jahren hätten im wesentlichen 30 Staaten den weltweiten Wettbewerb bei Industriegütern und Dienstleistungen bestritten, heute seien es vielleicht schon 100. "Deshalb", so der Ministerpräsident, "ist Bildung der entscheidende Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands." Man dürfe den Unternehmern bei ihrer Standortwahl keine "vaterlandslose Gesinnung" unterstellen, wenn sie die Produktion ins Ausland verlegen. Eine solche Entscheidung sei vielmehr unternehmerische Notwendigkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben. "Es ist schließlich die Logik der Marktwirtschaft, dass die Investition dort vorgenommen wird, wo sie sich am besten rechnet."
Es gelte, sich dem Wettbewerb zu stellen und sich auf eigene Stärken zu besinnen. Zwar seien die Kosten ein wichtiges Kriterium, in dessen Bereich man den Wettbewerb nicht gewinnen könne, aber es gäbe noch weitere Faktoren. Traditionelle Wettbewerbsvorteile sieht Teufel in Qualität und technischer Reife von Produkten und Dienstleistungen, im Innovationsgehalt, in der Effizienz von Wertschöpfung und Produktion sowie bei Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und gutem Service. "Salopp gesagt: Wir müssen mindestens soviel besser sein als wir teurer sind." Für den Generalsekretär des BIBB, Prof. Dr. Helmut Pütz, ist deshalb das Aufspüren von neuen beruflichen Anforderungen und Entwicklungen sehr wichtig. "Weil sich gerade in der beruflichen Bildung solche Tendenzen am schnellsten zeigen, haben wir den Weiterbildungs-Innovationspreis zur Früherkennung von Qualifikationsanforderungen eingeführt." Aus 133 eingereichten Konzepten hat eine Fachjury vier Preisträger ermittelt. Alle Preisträger erhalten eine mit dem Preis verbundene Geldprämie in Höhe von 2.500 Euro.
Der Verein Baufachfrau Berlin, Verein zur Förderung von Frauen in Bau- und Ausbauberufen, wurde für sein Projekt "digitaler Möbelbau" ausgezeichnet. Hier werden vor allem Frauen zum Umgang und zur Nutzung computergesteuerter CNC- und CAD-Technologie zur kreativen, kundenorientierten und umweltfreundlichen Gestaltung von Möbeln qualifiziert. Vermittelt werden Grundlagen des CNC- und CAD-gerechten Designs, Grundwissen zur Handhabung der CNC-Technik, sowie die Anwendung digitaler Bildbearbeitungs- und Layoutprogramme zur Vermarktung der Produkte.
Preiswürdig fanden die Fachleute auch das Projekt "Follow me" von ego energetics aus Freiamt. Die "Führungsfitness für Vorarbeiter in der Flugabfertigung des Münchner Flughafens" qualifizierte Facharbeiter und Facharbeiterinnen für die Übernahme von mehr Verantwortung im eigenen Tätigkeitsfeld. Zentrales Ziel des Programms ist der Aufbau einer eigenen "Vorarbeiter-Identität" mit dem Bewusstsein, dass die eigene Arbeit die Qualität der Gruppenarbeit bestimmt, die ein wichtiger Faktor für Sicherheit und die Konkurrenzfähigkeit des Münchner Flughafens ist.
Der Affe ist los. Das Berufliche Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft in Nürnberg nennt sein preisgekröntes Programm "monkey". Der Begriff steht für modulare (mo) und arbeitsplatznahe (n) Schlüssel(key)kompetenzen für kleine und mittlere Betriebe. Ziel der sechs- bis siebenmonatigen arbeitsplatznahen Weiterbildung ist es, die Teilnehmer für die veränderten Anforderungen an die Facharbeit, z. B. beim Projektmanagement, zu qualifizieren. Projekte planen und durchführen, mit knappen Zeitressourcen effektiv und ökonomisch umgehen, konstruktiv zusammenarbeiten, und die Ergebnisse wirkungsvoll präsentieren, das sind die wesentlichen Inhalte der Maßnahmen. Über ein bedarfsorientiertes Coaching werden die Lernprozesse unterstützt und die Lernergebnisse gesichert.
Auch das Programm "Work Based Learning" (WBL) der Fachhochschule Aachen fand Anklang bei der Jury. Das Kaonzept zielt darauf ab, berufstätigen Erwachsenen, die bisher keinen Zugang zu einer Hochschulausbildung hatten, eine Möglichkeit zu schaffen, unter Anrechnung ihrer formalen und in der Arbeit erworbenen Qualifikationen einen akademisch anerkannten Abschluss zu erwerben. Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die konkrete Arbeit im Unternehmen, die den Lernenden als Studienleistung angerechnet wird. Als erste Umsetzung des WBL-Konzepts plant die Fachhochschule Aachen einen Bachelor-Studienabschluss für Handwerksmeister sowie einen Masterstudiengang "Angewandte Polymerchemie" für Chemielaboranten.
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