VBE: Mehr Bildungsgerechtigkeit ist weniger eine Frage des Wollens als eine Frage des Geldes
Die Förderung einer Elite, ohne dass gleichzeitig mehr für die intellektuelle Entwicklung der "breiten Masse" getan wird, sorgt automatisch für noch mehr Bildungsungerechtigkeit, moniert der Verband Bildung und Erzie-hung (VBE) Baden-Württemberg anlässlich der jüngsten repräsentativen Emnid-Umfrage. Kinder ausländischer Mitbürger, aus nichtakademischen Haushalten sowie von Geringverdienern und Arbeitslosen haben deut¬lich geringere Chancen, das Abitur und ein Hochschulstudium zu machen, und müssten daher schulisch besonders gefördert werden können. Das sei aber weniger eine Frage des Wollens als des Geldes, so der VBE-Sprecher.
12.08.2008 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergDie Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft zeigt sich bereits in der Grundschule. Aus dieser Zwickmühle kommt man nur heraus, wenn alle Kinder eine optimale frühkindliche Bildung und Erziehung erhalten und die Stärke der Grundschule als ein Ort gemeinsamen Lernens und individueller Förderung aus-gebaut wird. In anregungsarmen Familien werden mögliche Bildungskarrieren junger Menschen schon in den frühesten Lebensjahren ausgebremst, kritisiert der VBE. Kinder aus bildungsfernen Haushalten schneiden mit einer drei- bis viermal höheren Wahrscheinlichkeit später schlechter in der Schule ab als Kin-der aus sozial besser gestellten Familien. Das dürfe man nicht länger einfach mit einem Schulterzucken hinnehmen, untersteicht der VBE-Sprecher.
Der VBE beklagt, dass das Bildungssystem Benachteiligungen eher zementiert und verweist auf einen OECD-Vergleich, der besagt, dass in Deutschland für einen Grundschüler knapp 4 000 Dollar aufgewendet werden, für einen Gymna-siasten jedoch über 10 000 Dollar. "Die Bildung sozial besser gestellter Schich-ten lassen wir uns deutlich mehr kosten als die Bildung der übrigen Bevölke-rung", moniert der VBE-Sprecher. Auf Dauer schade das dem Land. "Die Zu-kunft der Gesellschaft können wir erst dann sichern, wenn der Elementar- und Primarbereich von allen Beteiligten als wichtigster Baustein der Bildung aner-kannt und entsprechend finanziell gefördert wird."
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