Zum 17. Erzieher/innen-Tag des VBE NRW: Bildung fängt vor der Schulzeit an

"In Oppositionszeiten hat die CDU immer wieder die Wichtigkeit des Elementarbereichs und dessen Bildungsauftrag betont, in Regierungszeiten scheint das vergessen zu sein", erklärte Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) anlässlich des 17. Erzieher/innen-Tages des VBE. "Die inzwischen von der Landesregierung angekündigten Sparmaßnahmen in diesem Bereich stehen im krassen Widerspruch zu den Wahlversprechen."

24.03.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Die auf diesen Bereich bezogene Politik der schwarz-gelben Landesregierung gleicht einer Art Verschiebtechnik. Die Landesregierung verschlechtert die finanzielle Ausstattung der Kindertagesstätten zunehmend und verschiebt damit das Problem auf die kommunale Ebene. Den Kommunen wird angesichts der Kürzungen keine andere Möglichkeit bleiben, als das fehlende Geld über erhöhte Elternbeiträge wieder reinzuholen.

"Wer die Ergebnisse von PISA-Ergebnisse nicht ganz vergessen hat, der weiß zumindest noch, dass es auch in Nordrhein-Westfalen eine enge Koppelung zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen gibt", so Beckmann weiter. "Wer dieses Problem beheben will, der muss so früh wie möglich mit Förderangeboten ansetzen, um vor allem die bildungsfernen Schichten zu erreichen. Kindertagesstätten können dies aber nur leisten, wenn der Besuch der Kindertagesstätten nicht durch hohe Elternbeiträge verhindert wird.

Um den steigenden Bildungsauftrag des Elementarbereichs wirklich erfüllen zu können, müsste auch über eine andere Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher nachgedacht werden.

"In anderen europäischen Ländern findet die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher an den Hochschulen statt", so Beckmann weiter. "Dort hat man verstanden, dass die pädagogische Arbeit mir kleinen Kindern nicht unwichtiger ist als die Arbeit mit Jugendlichen. Daran könnte sich Deutschland ein Vorbild nehmen."

Positiv bewertete der VBE-Vorsitzende die Einrichtung von Familienzentren. Er machte aber auch deutlich, dass es nicht ausreicht, nur einen schönen neuen Begriff zu prägen. Gut funktionierende Familienzentren können nur dann flächendeckend funktionieren, wenn auch diejenigen Kindertagesstätten finanzielle, personelle und sächliche Unterstützung bekommen, die nicht an dem Pilotprojekt beteiligt sind.

"Familienzentren können nur dann ihren Aufgaben nachkommen, wenn sie über eine hinreichende räumliche, sächliche und personelle Ausstattung verfügen und die nötigen Zeitressourcen verfügen", so Beckmann abschließend. "Anderenfalls bleibt es bei einem schönen Begriff, hinter dem sich nicht die entsprechende Qualität verbirgt."

Als Vertreterin des Deutschen Richterbundes präsentierte Christine Wecker das in Zusammenarbeit mit dem VBE geplante Projekt "Modellregion Erziehung".

In diesem wollen sich Richter, Ärzte, Psychotherapeuten sowie Polizisten gemeinsam mit dem VBE zu einem Netzwerk zusammenschließen. Ziel ist es, Familien mit Erziehungsschwierigkeiten flächendeckender in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Darüber hinaus sollen Kinder und Jugendliche, die in die Kriminalität abzurutschen drohen, gezielt Hilfe erhalten.


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