Land verleiht fünf neue Ehrenprofessuren
Die Hessische Landesregierung hat dem Historiker und Schriftsteller Dr. h.c. Arno Lustiger, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Vermögensberatung, Dr. Reinfried Pohl, der Theologin und Historikerin Ruth Lapide, dem Präsidenten der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, Wolfgang Strutz, und der Verlegerin des Bärenreiter-Verlags, Barbara Scheuch-Vötterle, den Ehrentitel "Professor" bzw. "Professorin" verliehen. Mit diesem Ehrentitel werden nach dem Hochschulgesetz Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um Wissenschaft und Kunst verdient gemacht haben. Er wird auf Vorschlag des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, und durch Kabinettsbeschluss verliehen. "Die neuen Ehrenprofessorinnen und -professoren haben alle Herausragendes für die wissenschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes geleistet und sich damit bleibende Verdienste erworben", sagte der Minister.
06.03.2007 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und KunstDr. h.c. Arno Lustiger gehöre zu den Mitbegründern der jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main nach 1945 und habe sich durch umfangreiche Forschungs- und Lehrtätigkeit zur Geschichte des europäischen Judentums und zum jüdischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime einen Namen gemacht, hob Minister Corts hervor. Dr. Reinfried Pohl habe sich als Mäzen große Verdienste um die Philipps-Universität Marburg erworben. Ruth Lapide wird nach seinen Worten für ihr jahrzehntelanges Engagement für die Versöhnung von Juden und Christen, für die Verständigung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel und für die Annäherung der drei großen monotheistischen Religionen geehrt. Wolfgang Strutz habe sich als Präsident der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft um die Wissenschaft und die öffentliche Vermittlung ihrer Ergebnisse verdient gemacht. Barbara Scheuch-Vötterle setze sich besonders für die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen ein. Der von ihr geführte Bärenreiter-Verlag, der mit den Kasseler Musiktagen das älteste Musikfestival in Deutschland gegründet hat, leiste einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Vielfalt des Landes.
Dr. h.c. Arno Lustiger, geb. 1924, forscht und lehrt zur Geschichte der europäischen Juden und insbesondere zum jüdischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Zu seinen Arbeiten gehören unter anderem das Standardwerk "Zum Kampf auf Leben und Tod. Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945" (Köln 1994), das die ganze politische Breite und Vielfalt des jüdischen Engagements im Widerstand gegen Hitler auffächert und das "Rotbuch. Stalin und die Juden. Die tragische Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der sowjetischen Juden" (Berlin 1998), in dem von der widersprüchlichen Haltung Stalins gegenüber den jüdischen Partisanen und vom stalinistischen Antisemitismus berichtet wird. Übersetzungen seiner Werke erschienen in den USA, in Polen, Frankreich, Spanien und in Russland. Er lehrte unter anderem am Fritz-Bauer-Institut an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 2004 verlieh ihm die Universität Potsdam die Ehrendoktorwürde.
Dr. Reinfried Pohl, geb. 1928, hat als Absolvent der Marburger Universität eine enge Beziehung zu seiner alma mater. Zu seinen Aktivitäten seit Gründung der Reinfried Pohl-Stiftung zur Unterstützung der Philipps-Universität in Forschung und Wissenschaft im Jahr 1997 gehören unter anderem die maßgebliche finanzielle Unterstützung der im Fachbereich Rechtswissenschaft angesiedelten Forschungsstelle für Finanzdienstleistungsrecht, die Stiftung einer auf sieben Jahre angelegten Professur für Kardioprävention im Fachbereich Medizin und die Stiftung einer auf fünf Jahre angelegten Forschungsprofessur für Molekulare Kardiologie sowie die finanzielle Unterstützung für das Universitätsjubiläum 2003. Dr. Reinfried Pohl wurde die doppelte Ehrendoktorwürde durch den Fachbereich Rechtswissenschaft und den Fachbereich Medizin verliehen. Seit 1998 ist er zudem Ehrensenator der Universität, seit 2006 Ehrenbürger der Stadt Marburg.
Ruth Lapide, geb. 1929, studierte an der Hebräischen Universität Jerusalem Politologie, Geschichte und Judaistik mit dem Schwerpunkt der Entstehung des Christentums innerhalb des Judentums. Sie hat sich durch jahrzehntelange theologisch-historische Publikations-, Vortrags- und Lehrtätigkeit um den Dialog zwischen Judentum und Christentum verdient gemacht – zunächst gemeinsam mit ihrem Mann, dem jüdischen Theologen Prof. Dr. Pinchas Lapide, in etwa 60 Büchern sowie Radio- und Fernsehbeiträgen, Seminaren und Vorträgen; seit dessen Tod 1997 mit unvermindertem Engagement in Hörfunk und Fernsehen, als Lehrbeauftragte der Evangelischen Fachhochschule in Nürnberg und als Autorin. Sie studiert das Alte und das Neue Testament, was insofern außergewöhnlich ist, als dass die meisten Theologen sich entweder auf das eine oder auf das andere beschränken, also entweder jüdisch oder christlich argumentieren.
Wolfgang Strutz, geb. 1933, ist seit 1999 Präsident der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft (SNG), die Trägerin des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg (FIS) ist. Diese hat in den vergangenen Jahren eine Dynamik entfaltet, die sie an die Spitze der deutschen naturforschenden Museen gerückt und das FIS zu einer national und international herausragenden Einrichtung der Biodiversitätsforschung mit anerkannt exzellenten wissenschaftlichen Leistungen gemacht hat. Durch seine Beteiligung an zentralen Personalentscheidungen wie der Berufung von Prof. Dr. Volker Mosbrugger zum neuen Direktor des FIS im Jahr 2005, durch die von ihm initiierte grundlegende Umstrukturierung der SNG und des Forschungsinstituts und nicht zuletzt durch seine erfolgreiche Einwerbung von Spenden und Sponsorenmitteln für das Museum und die Forschung hat er einen wesentlichen Beitrag zur Spitzenstellung des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg geleistet.
Barbara Scheuch-Vötterle, geb. 1947, ist Geschäftsführerin des Bärenreiter-Verlags in Kassel, der weltweit zu den größten Verlagen für klassische Musik zählt. Ihr Engagement wird weit über die Kasseler Kulturszene hinaus geschätzt und gewürdigt. Durch ihre verlegerische Arbeit erhalten Musikerzieher, sei es in staatlichen Schulen, in privaten Musikschulen oder in den vielen Chor- und Instrumentalvereinen im laienmusikalischen Bereich Handreichungen für die Musikpraxis. Darüber hinaus leistet sie wichtige Starthilfe für junge Autoren, Künstler und Produzenten und bietet deutschen und internationalen Musikwissenschaftlern ein Forum für Forschungen und Editionen. Der Bärenreiter-Verlag ist dem Bündnis für Musikunterricht in Hessen beigetreten, in dem sich der Verband deutscher Musikschulen, die Arbeitsgemeinschaft für Schulmusik und der Verband deutscher Schulmusikerzieher 2002 zusammengeschlossen haben, um die Rolle des Musikunterrichts zu verbessern.
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