Ein halber Tag ist nicht genug um die Welt zu erklären

(tzs/bikl) 450 Teilnehmer aus Schulen, Kommunen, Vereinen, aus der Wirtschaft und der Jugendhilfe diskutierten am 5. und 6. Mai in Cottbus die gemeinsame Gestaltung von schulischen Ganztagsangeboten. In 23 Workshops, sechs Foren und in Expertengesprächen tauschten sie Erfahrungen aus und entwickelten neue Impulse für die weitere Zusammenarbeit. Dabei entstand ein gemeinsames „Haus des Lernens“, das zeigt, welche Entwicklungsperspektiven der schulische Ganztag birgt.

06.05.2006 Artikel
  • © Simone Ahrend

Bereits an 173 Standorten in Brandenburg lebt die Idee des Ganztags, im Schuljahr 2006/07 werden es 235 sein. Begleitet und beraten werden die Brandenburger Ganztagsschulen von der Serviceagentur Ganztag, die gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport zu dem zweitägigen Kongress in Cottbuser Messenzentrum einlud.
Über die Vorzüge und Potenziale ganztägiger Bildung waren sich die Kongressteilnehmer einig – mehr Entwicklungs- und Gestaltungspotenzial für Kinder und Jugendliche, mehr Raum für Begegnung, die Möglichkeit Schule als offenes Haus zu gestalten. Ein halber Tag sei nicht genug, um die Welt erklären, so formulierte es Minister Holger Rupprecht, der den Kongress eröffnete. Kinder und Jugendliche bräuchten mehr pädagogisch gestaltete Lernzeit, mehr Anregung und mehr Förderung und häufig auch mehr menschliche Zuwendung, führte er aus.

Erprobte Konzepte

Für die Ausgestaltung ihrer Ganztagsangebote brachten die Schulen und ihre Partner zahlreiche gute Beispiele und erprobte Konzepte mit, die sie am Freitag in einer Ausstellung präsentierten: So kooperieren die Grundschule Grüntal und die Naturwacht Barnim im Bereich ökologischer Bildung sowie die Gesamtschule und das Jugendzentrum Ziesar im Projekt „Zeitspringer“. Es gibt zahlreiche Beispiele: Medientraining, Arbeit mit Schulverweigern, Berufsorientierung oder Sportangebote. „Diese Vielfalt belegt, welche Möglichkeiten Ganztagsschulen eröffnen“, so Karen Dohle von der Serviceagentur Ganztag bei KoBra.net.

„Ein Kind braucht ein ganzes Dorf, um erwachsen zu werden.“ Oggi Engerlein von der „Initiative für große Kinder“ stellte das bekannte afrikanische Sprichwort auf den Kopf und beschrieb das Dorf als Ort, in dem sich Kinder, begleitet von einer überschaubaren Anzahl unterschiedlicher Erwachsener, frei entwickeln und ausprobieren können, vielfältige Anregungen bekommen, sich letztlich Vorbilder und Bezugspersonen frei wählen.

Mehr Pädagogik in der Schule

Die 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestalteten den Kongress maßgeblich mit. In sechs Foren arbeiteten sie am Freitag daran, eine gemeinsame Version eines „Haus des Lernens“ zu entwickeln. Eltern, Schüler, Kita-Vertreter, Schulvertreter, Vertreter der Jugendhilfe und außerschulische Partner diskutierten in separaten Foren die Schätze und Potenziale von Ganztagsangeboten, sprachen darüber, was sie selbst in den Ganztag einbringen können und benannten Hindernisse, die sich der Umsetzung von guter ganztägiger Bildung in den Weg stellen.
In einer Jurte wurden die Ergebnisse am Samstag auch plastisch präsentiert, bevor die Teilnehmer in die Workshops gingen. So betonte Florian Schmidt vom Landesschülerrat, dass auch Schüler Potenziale haben, die sie in die Gestaltung von Ganztagsangeboten einbringen können. „Wir hoffen, dass der Ganztag mehr Pädagogik in die Schule bringt“ so Dorothea Amrhein, die das Gesprächsforum der Eltern leitete. Als Hindernisse für die ganztägige Bildung wurden häufig langwierige Verwaltungsabläufe genannt. Gerade hier sahen die außerschulischen Partner – beispielsweise Sport- und Kulturvereine – ihre Stärke. Sie hätten die Chancen rasch und flexibel auf Anfragen zu reagieren, so Uwe Prinz.

„Uns war es wichtig, möglich viele unterschiedliche Aspekte einzubringen“, so Katrin Kantak, Leiterin von KoBra.net, Kooperation in Brandenburg. „Die vielfältigen Ansatzpunkte, die in den Foren entwickelt wurden zeigen, dass wir den Ganztag im Sinne des gemeinsamen „Haus des Lernens“ nur gemeinsam mit Leben füllen können“, resümierte sie.

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KobraNet


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