GEW Hessen zum Schuljahresbeginn: Von "guten Bedingungen" kann keine Rede sein
"Auch wenn der Start ins neue Schuljahr wohl besser als in den vergangenen Jahren laufen dürfte, kann von einem Start mit guten Bedingungen nicht die Rede sein", widersprach der Vorsitzende der GEW Hessen, Jochen Nagel, der Hessischen Kultusministerin Henzler. "Nach wie vor gibt es zahlreiche ungelöste Probleme, nach wie vor ist die personelle und finanzielle Ausstattung der Schulen völlig unzureichend."
20.08.2009 Pressemeldung GEW HessenSo wird es keine 99,6-prozentige Unterrichtsversorgung geben, weil diese Größe verschweigt, dass in den letzten Jahren der Bedarf statistisch kontinuierlich heruntergerechnet wurde. Beispielsweise weist die Stundentafel für die Grundschulen einen Bedarf von 2 Förderstunden aus, der in der Statistik lediglich mit 0,7 zu Buche schlägt. Auch wichtige Gruppenteiler und Zusatzangebote werden nicht ausreichend erfasst. "Man kann also bestenfalls von 99,6% eines herunter gerechneten Bedarfs sprechen", kritisiert Jochen Nagel.
So begrüßenswert es ist, dass die Sternchenregelung bei den Klassen- und Gruppengrößen, die wir seit Jahren bekämpfen, jetzt für die Eingangsklassen 1, 5 und gegebenenfalls auch 7 hoffentlich für alle Zeiten der Vergangenheit angehören, so sehr muss man kritisieren, dass dies für die Schülerinnen und Schüler in den anderen Klassen nicht gilt. Sie werden bis ans Ende ihrer Schulzeit nichts von dieser Regelung haben. Hier mussten sogar Klassenzusammenlegungen vorgenommen werden, um die Regelung für die Eingangklassen zu 'finanzieren'. Nach unseren Informationen sind auch die Stellen für die Lehrerfeuerwehr (siehe PM vom 1. Juli 2009) keineswegs alle wieder besetzt.
Bei echten Ganztagsschulen gibt es keinerlei Fortschritt. Deren Zahl stagniert in Hessen seit Jahren. "Als GEW können wir keinen Fortschritt darin erkennen, dass die ungeheure Verdichtung des Unterrichts durch G8 ein mehr an Mittagsbetreuung erfordert. Der mit G8 verbundene Zeitraub an jungen Menschen muss im Interesse qualitativ hochwertiger Bildung nach wie vor dringend beendet werden. Die bisherigen eher kosmetischen Maßnahmen haben hier keinerlei Fortschritte gebracht", so Jochen Nagel.
Ein großes und zunehmendes Problem stellen auch die schlechten Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte dar. Hessische Lehrerinnen und Lehrer haben Unterrichtsverpflichtungen wie Lehrkräfte vor hundert Jahren und trotz tarifvertraglich vereinbarter Arbeitszeitverkürzung weigert sich die Landesregierung, hier die dringend notwendige Anpassung vorzunehmen. "Dies ist auch ein Angriff auf die Unterrichtsqualität. Derart hoch belastete Lehrerinnen und Lehrer werden diese so auf Dauer nicht aufrecht erhalten können. Und natürlich liegt in diesen Arbeitsbedingungen auch ein wesentlicher Grund für den zunehmend fehlenden Nachwuchs", so Jochen Nagel abschließend.
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