Bildungspolitik

Hohle Nuss 2010 an Christa Goetsch

Die Jungen Philologen im Deutschen Philologenverband verleihen die Hohle Nuss 2010 für besondere bildungspolitische Fehlleistungen an die ehemalige Hamburger Schulsenatorin Christa Goetsch. Bis zu ihrem Rücktritt nach dem Platzen der schwarz-grünen Koalition in Hamburg war sie die wesentlichste Protagonistin der umstrittenen Hamburger Schulreform gewesen. Unter ihrer Führung war geplant gewesen, die Grundschulzeit in der Hansestadt auf sechs Jahre zu verlängern und somit die Gymnasien deutlich zu beschneiden. Dagegen hatte sich eine breite Bürgerbewegung formiert, die es schließlich schaffte, wesentliche Punkte der Reform mit einer Volksabstimmung zu Fall zu bringen.

15.02.2011 Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)

Entgegen aller Erfahrungen aus anderen Ländern und mittels bewusst einseitiger Auslegung internationaler Vergleichsstudien träumt Christa Goetsch noch immer davon, die "frühe Trennung der Kinder zu durchbrechen" und damit ein gerechteres Schulsystem zu erreichen. In Hamburg hatte sie nach der von den Bürgern abgeschmetterten Reform aber zunächst ein Schulchaos heraufbeschworen. Goetsch ist folglich frei nach Goethe eine Kraft, die Gutes will, es nur nicht schafft.

Zudem war es Frau Goetsch gelungen, die gesamte Hamburger Bürgerschaft von ihrem Konzept zu überzeugen – und die Mehrheit der Hamburger Wählerschaft gegen sich zu mobilisieren. Mit Ole von Beust konnte sie einen CDU-Politiker von großem Ansehen für ihre Sicht auf das Schulsystem gewinnen – und letztlich zum Ende seiner politischen Karriere beitragen.

Die "Ungerechtigkeit des Systems" will sie nun anders abmildern: durch den Ausbau von Ganztagsschulen, durch die neuen Stadtteilschulen, den Ausbau der Sprachförderung, die verbindliche Berufsorientierung. Den Jugendlichen mit schlechten Startchancen will sie so zu vernünftigen beruflichen Perspektiven verhelfen.

Von der lieb gewonnenen Utopie einer sechsjährigen Grundschule mag sie sich trotz der Niederlage im Hamburger Volksentscheid nicht trennen. So erdachte sie sich schulgesetzliche Schlupflöcher, durch die sie ihr Vorhaben doch noch einführen wollte. Primarschulen sollten, ginge es nach ihrem Willen, in der Hansestadt bald flächendeckend "erprobt" werden. Und ihre Schulbehörde half tatkräftig mit.

So viel bildungsideologischen Tatendrang gab es lange nicht in Deutschland. Die Zwangspause für Christa Goetsch könnte nach der bevorstehenden Bürgerschaftswahl schnell wieder vorbei sein. Dann ist zu befürchten, dass das Versuchskaninchen Schüler in Hamburg weiteren Experimenten ausgesetzt wird.


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