„Ohne Nachbereitung keine Wirkung“
Exkursionen bieten Schülerinnen und Schülern Abwechslung, neue Einblicke und Lernanreize. Expertin Lissy Jäkel verrät, worauf Lehrkräfte achten müssen, damit der Lerneffekt nicht verpufft. Ein Interview von Franziska Schuberl
07.06.2024 Bundesweit Artikel didacta – Das Magazin für lebenslanges LernenWorauf müssen Lehrkräfte beim Besuch außerschulischer Lernorte achten?
Lissy Jäkel: Auf die Vor- und Nachbereitung. Wenn der Klassenraum nur begrenzte Möglichkeiten bietet und eine Lehrkraft deshalb die Lernziele nicht erreicht, kann sie mit der Klasse außerschulische Lernorte besuchen. Das erfordert eine gründliche Vorbereitung, sowohl organisatorisch als auch inhaltlich. Es ist wichtig zu klären, welche gemeinsamen Ziele die Klasse verfolgt, also warum sie diesen Ort besuchen.
Wie sollten Lehrkräfte eine Exkursion konkret vorbereiten?
Wenn die Möglichkeit besteht, soll die Lehrkraft den Exkursionsort vorab aufsuchen. Wenn zum Exkursionsprogramm auch eine Führung gehört, ist es wichtig den Verantwortlichen aufzuklä- ren, wer die Zielgruppe ist – es macht einen Unterschied, ob ich mit Grundschülern oder mit Achtklässlern komme. Auch ob, Schüler/-innen mit besonderen Bedürfnissen dabei sind, kann eine Lehrkraft hier vorab erklären. Außerdem ist es sinnvoll, im Vorfeld mit den Lernenden zu besprechen, was sie für Erwartungen an den Lernort haben, was sie dort erfahren und lernen wollen. Die Lehrkraft kann sich darüber hinaus überlegen, wie die Lernenden digitale Angebote nutzen können, nicht nur bei der Vorbereitung, sondern auch während oder nach dem Besuch des Lernortes. Und es ist zu überlegen, wie sie nach dem Besuch des Ortes mit dem Erlebtem weiterarbeiten wollen.
Lissi Jäkel ist Direktorin des Institutes für Naturwissenschaften, Geographie und Technik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Die ehemalige Biologie- und Chemielehrerin forscht zu außerschulischen Lernorten
Warum ist das wichtig?
Um einen Lernzuwachs zu erreichen. Die Lehrkräfte müssen nach der Exkursion den Stoff in einem frischen Kontext wiederholen, zum Beispiel am nächsten Tag im Klassenzimmer. Da kann der Lernort noch so gut sein: ohne Nachbereitung keine Wirkung. Studien belegen diese Tatsache. Einzig durch das Wiederholen entstehen positive Lerneffekte. Leider ignorieren viele Lehrkräfte diese Erkenntnis. Ansonsten gelten die Regeln nach Richard M. Ryan und Edward L. Deci zur Lernmotivation.
Was besagen diese Regeln?
Ein wichtiger Faktor ist, dass sich alle Lernenden eingebunden fühlen. Auch das Erleben von Autonomie spielt eine Rolle. Das heißt, dass die Lernenden auf ihrem Lernweg auch etwas selbst entscheiden können. Sie sollen einen Kompetenzzuwachs spüren. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, was sie gelernt haben und wo sie ein Stück weitergekommen sind. Das sind die Kriterien für erfolgreiches Lernen.
Was ist bei der Nachbereitung einer Exkursion noch zu beachten?
Die Lernenden brauchen genug Zeit, um ihr neues Wissen zu präsentieren. Sie können dabei etwa ihre gesammelten Notizen vorstellen, Fotos zeigen, die sie bei der Exkursion gemacht haben, oder zusammen eine Collage über den Lernort erstellen. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
Wie häufig sollten Exkursionen stattfinden?
Das muss nicht jede Woche sein, es reicht jede zweite oder dritte Woche. Kontinuität ist hier sinnvoll. Nicht erst, wenn die Noten gemacht sind und es auf die Ferien zugeht, da ist keine Lernmotivation mehr da.
Alle drei Wochen eine Exkursion zu organiseren, klingt nach viel Aufwand für Lehrkräfte.
Tatsächlich kostet es Zeit, aber es lohnt sich. Hier ist es sehr motivierend, wenn die Schulleitung und das Kollegium die Mühen wertschätzen. Zudem muss eine Exkursion nicht immer zeitaufwändig sein, es kann auch das Waldstück nebenan oder der Bäcker im Viertel ein guter Lernort sein. Man muss nur kreativ werden.
Wie lange sollte eine Exkursion dauern?
Lehrkräfte bis zur Sekundarstufe 1 können sich an der Faustregel orientieren: Nach zwei Stunden ist die Luft raus. In höheren Jahrgangsstufen können es bis zu vier Stunden sein – ein methodischer Wechsel hilft dabei, die Lernbereitschaft in diesem Zeitraum hochzuhalten. Außerdem sollten Lehrkräfte nicht nur beobachten, sondern wie die Lernenden selbst aktiv teilnehmen. Eine aufgeschlossene und engagierte Einstellung wirkt sich positiv auf die Motivation der Schülerinnen und Schüler aus.
Dieses Interview ist zuerst im didacta Magazin Ausgabe 4/2024, S. 20-21 erschienen. https://avr-emags.de/emags/didacta/didacta_2_2024/#0
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