Privatschulen für alle?
(bikl) Deutschlands Privatschulvertreter machen Politiker in Bund und Ländern für die zunehmende „soziale Entmischung“ in den Schulen verantwortlich. "Auch die Kinder von Hartz-IV-Empfängern haben ein Recht auf Privatschulen", sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Privatschulen (VDP), Michael Büchler, heute dem Berliner "Tagesspiegel.
23.11.2006 ArtikelWeil der Staat allerdings an seinem "Schulmonopol" festhalte, müssten die Privatschulen monatliche Elternbeiträge erheben, die sich ärmere Bevölkerungsschichten nicht leisten können. Während bei staatlichen Schulen nach wie vor sämtliche Kosten übernommen würden, erhielten Privatschulen im Schnitt nur 55 bis 60 Prozent ihrer Kosten erstattet. Den Rest müssten sie über Elternbeiträge oder Sponsoren herbeischaffen.
"Das Schulsystem fördert damit die soziale Auslese", sagte Büchler und forderte die Länder, aber auch die Volksparteien, zu grundlegenden Reformen auf. Damit ärmere Bevölkerungsschichten nicht länger ausgeschlossen werden, müsse ein Bildungsgutschein eingeführt werden, den Eltern für jedes Kind erhalten und der an jeder Schule eingelöst werden kann.
Rund sechs Prozent deutscher Schüler besuchen privaten Schulen. Der VDP trifft sich heute zu einem zweitätigen Bundeskongress in Berlin. Ihr Präsident sieht nach den verheerenden Pisa-Ergebnissen und den zunehmenden Problemen an den staatlichen Schulen ein "Jahrzehnt der deutschen Privatschulen" heraufziehen. Unterrichtsausfall, Gewalt und nachlassenden Bildungsqualität lösten schon jetzt einen Run auf Privatschulen aus.
Die GEW hatte sich im Vorfeld des Privatschulkongresses gegen einen Ausbau des privaten Schulwesens ausgesprochen. Diese Entwicklung verstärke nur die ohnehin „extreme Spaltung des Schulsystems in Deutschland“, erklärte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. Demmer empfahl den Eltern, „ihre Kinder in die staatlichen Schulen zu schicken und sich dort zu engagieren“.
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Weiterführende Links
- Bundesverband Deutscher Privatschulen (VDP)
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