Schüler mit Migrationshintergrund oft unterschätzt
(red/pm) Menschen mit Migrationshintergrund verlieren auf dem Weg durch das deutsche Bildungssystem oft wertvolle Lebensjahre. Über den gesamten Bildungsverlauf werden die Potenziale von Kindern mit Migrationshintergrund systematisch unterschätzt.
05.12.2013 ArtikelOft dauert es lange, bis ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten erkannt werden und die richtigen Weichenstellungen erfolgen - wenn überhaupt. Das zeigen die ersten Ergebnisse der Studie "Bildung, Milieu, Migration" der Universität Düsseldorf, die von der Stiftung Mercator und der Vodafone Stiftung gefördert wird und in Berlin präsentiert wurde. Die Gründe für den verzögerten Bildungsweg liegen nicht nur in oft mangelhaften Sprachkenntnissen und einer Zurückstufung der Schulklassenzugehörigkeit, wenn die Zuwanderung während der Schullaufbahn erfolgt; sie liegen auch in einer mangelnden Information der Eltern über den vergleichsweise komplizierten Aufbau des deutschen Bildungssystems sowie in weiterhin bestehenden Vorurteilen bei Schulen und Behörden. Als Folge durchlaufen Schüler mit Migrationshintergrund viele Umwege, Schleifen, Sackgassen und Neuorientierungsphasen.
Eltern brauchen mehr Unterstützung
Die Studie zeigt deutlich, dass Eltern mit Migrationshintergrund oft große Anstrengungen unternehmen, um ihren Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen, sie dabei aber häufig an ihre Grenzen stoßen. Vielen von ihnen fehlt nicht nur das Geld für die heute fast obligatorische Nachhilfe, sondern oft auch das Wissen darüber, wie sie ihren Kindern in der Schule am besten helfen können. Ein großer Teil dieser Eltern wünscht sich hierbei mehr Unterstützung.
Die verinnerlichte Defizitperspektive erschwert den Bildungsweg
Laut der Studie rücken viele Migranten ihre Defizite, wie mangelnde Sprachkenntnisse, in den Vordergrund und sehen ihren Hintergrund nicht als Chance an. Sie haben eine Problemperspektive verinnerlicht und wollen beispielsweise selbst ihre Kinder nicht auf Schulen mit einem hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund schicken.
Entscheidend sind die Lehrer
Ungeachtet aller Debatten über die Strukturen unseres Bildungssystems zeigen die Berichte der Migranten in der Studie immer wieder: Der Erfolg in der Schule hängt in hohem Maße von den einzelnen Lehrern ab. Dies gilt sowohl im negativen Sinne, wenn Kinder deutliche Anzeichen für Diskriminierung im Unterricht spüren, als auch im positiven Sinne, wenn Lehrer sich besonders stark für Schüler mit Migrationshintergrund engagieren.
Über die Studie "Bildung, Milieu, Migration"
Die Studie "Bildung, Milieu, Migration" greift erstmals das Gesellschaftsmodell der sozialen Migranten-Milieus des Heidelberger Sinus-Instituts für den Bildungsbereich auf. Damit wird es möglich, die sehr unterschiedlich geprägten Lebenswelten etwa der "Religiös Verwurzelten" oder der "Kosmopolitisch Intellektuellen" differenzierter in den Blick zu nehmen und die jeweils typischen Bildungserfahrungen und -einstellungen herauszuarbeiten. Auch wird die große Gruppe der "Adaptiv Bürgerlichen" in ihrem Bestreben sichtbar, zur Mitte der deutschen Gesellschaft dazu zu gehören und den Kindern den bestmöglichen Start in ein privat und beruflich gut integriertes Leben zu ermöglichen.Hintergrundinformationen zur Studie
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