VBE: Nicht die nächste Klassenarbeit ist wichtig, sondern die Stärkung der Schülerpersönlichkeit

Ein Vierteljahr vor Ausgabe der Jahresschlusszeugnisse moniert der Vor­sitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Würt­tem­berg, Rudolf Karg, dass schulisches Lernen häufig falsch ausge­richtet sei. Nicht auf die nächste Klassenarbeit müsse der Schüler sein ganzes Augen­merk legen, um danach dann alles wieder zu vergessen, sondern auf die Stär­kung seiner gesamten Persönlichkeit durch eine umfassende Bildung.

06.04.2008 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Leider gehe es heute immer weniger um Lern- und Bildungsinhalte, als vielmehr um Punkte, Zen­suren und Zertifikate, bedauert der VBE-Chef eine Entwicklung in die falsche Richtung. Schüler lernten meist nach dem Motto, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Stoff aufzunehmen, "zwi­schenzuspeichern", mög­lichst präzise wiederzugeben, gute Noten einzuheimsen und danach das Gelernte rasch zu vergessen. "Eine solche Vorgehensweise leis­tet weder einen Beitrag für das geistige Durchdringen eines Fachgebietes noch für eigenständiges Weiterler­nen und Forschen", moniert Karg. Wichtig sei, dass alle Kinder am Ende der Grundschulzeit die Kulturtech­niken - Lesen, Schreiben und Rechnen - sicher be­herrschten.

Entscheidend für den schulischen Erfolg sei das Lernen mit allen Sinnen, also mit Kopf, Herz und Hand. Das sei, so der VBE-Vorsitzende, keine neumodische Erkenntnis, sondern ein metho­discher Ansatz, den der Schweizer Pädagoge Pestalozzi bereits vor 200 Jahren praktiziert habe. Karg: "Schüler ler­nen im Unterricht durch prak­tisches Tun, wie man lernt. Sie müssen Regeln des Lernens erfassen, dabei eige­ne Stärken und Schwächen erkennen, den Lernpro­zess planen, steuern und die Ergebnisse überprüfen. Schüler sollten nicht für die nächste Klassen­arbeit, son­dern in erster Linie für sich selber lernen."

Zu einer guten Lernkultur gehöre eine entsprechend sensibler Umgang mit Feh­lern. Wenn Kin­der und Jugendliche wegen des Selektionsdruckes ständig Angst vor schlechten Noten haben müssen und glauben, bestimmte Aufgaben nicht be­wäl­tigen zu können, blieben Neugier, Experimentier- und Lernfreude bald auf der Strecke. "Schüler müssen Fehler machen dürfen", unterstreicht der VBE-Vorsit­zende. Damit Kinder und Jugendliche individuell gefördert werden kön­nen, brauchen Lehrer vor allem Zeit für jeden einzelnen Schüler. Deshalb seien vor allem klei­nere Klassen und Lerngruppen zwingend notwendig.


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