Jugendliche begeistern sich für technische Berufe
(red) MINT-Berufe haben beste Arbeitsmarktchancen. Ingenieure, Naturwissenschaftler, Mathematiker, Techniker und IT-Experten werden von den Unternehmen händeringend gesucht. Und das wird auch in der absehbaren Zukunft so bleiben. Das Problem ist nur: Obwohl Politik und Wirtschaft nicht müde werden zu werben, entscheiden sich noch immer zu wenige Jugendliche für einen dieser Berufe. Hier sind es aber gleich mehrere Tausend: An den Berufsbildenden Schulen Brinkstraße des Landkreises Osnabrück lernen derzeit 4300 Jugendliche einen technischen Beruf.
15.11.2011 ArtikelDie meisten von Ihnen, knapp dreieinhalb Tausend, befinden sich in einer beruflichen Erstausbildung im Dualen System. Sie werden Elektroniker, Fachinformatiker, Chemielaborant oder Mechatroniker. Dieser noch relativ junge Beruf wird immer begehrter, auch weil er ganz unterschiedliche Kompetenzen verlangt, erklärt Marcel Martens, der sich bereits im letzetn Ausbildungsjahr befindet: "Das Feld ist weit gestreut, was die Fähigkeiten angeht, angefangen von Mechanik, über drehen und fräsen aber auch: Wie schließe ich eine Steckdose an, Robotertechnik und Programmieren." "Ich arbeite in einem Unternehmen, da sind wir in der Instandhaltung nur Mechatroniker. Sonst hatte man früher Elektroniker und Mechaniker oder Schlosser - wie es früher hieß - und jetzt sind es nur noch Mechatroniker", beschreibt sein Mitschüler Tobias Brangewitz die Realität. "Wir werden angerufen, weil eine Produktionsanlage steht, wir kommen hin und wissen zunächst gar nicht, was ist gewesen und was müssen wir tun, damit sie jetzt wieder läuft. Das kann manchmal Stunden dauern, bis diese Anlage wieder läuft. Aber dann hat man ein Erfolgserlebnis und ist stolz darauf."
Auch der Erfolg der Schule kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren schon tut sie viel für den potenziellen Nachwuchs, berichtet Schulleiter Johannes Brockmeyer: "Hauptschülerinnen und Hauptschüler der Abgangsklassen kommen für bestimmte Phasen in die Schule und durchlaufen hier kleine Unterrichtsprojekte, beispielsweise in der Metalltechnik. Sie fertigen ein kleines Produkt, sie lernen Komponenten der Fahrzeugtechnik kennen, sie befinden sich in CAD-Räumen, wo sie einmal erleben können, wie heute moderne technische Systeme konstruiert werden. Und wir hoffen, dass dann eine Motivation entsteht, auch gerade bei jungen Frauen, sich für technische Berufe zu interessieren, sich vielleicht auch einmal Gedanken darüber zu machen, ob nicht gewerblich-technische Ausbildungsgänge für sie auch in Betracht kommen können und nicht nur kaufmännische Berufe."
Eine weitere Besonderheit der Schule: das breite Ausbildungsangebot. Neben der dualen Erstausbildung gibt es hier auch Vollzeitschulformen von der Berufsfachschule bis hin zum beruflichen Gymnasium. Diese Vielfalt garantiert auch eine große Durchlässigkeit, im besten Fall vom Hauptschulabschluss bis zur Hochschulberechtigung. Und nur wenige von denen, die sich hier für eine Ausbildung entschieden haben, springen ab, weiß Udo Ostermeier, der hier seit langem unterrichtet. "Es gibt relativ wenig Abspringer, in meinen Klassen war das in den letzten Jahren höchstens einer – wenn überhaupt."
Und schließlich kann die Schule mit einer hervorragenden Ausstattung auftrumpfen. Wer diese Gebäude mit festgefahrenen Vorstellungen über schlecht ausgestattete Unterrichtsräume oder veraltete Technik betritt, wird schnell eines Besseren belehrt.
Warum das so ist, erklärt der Schulleiter: "Die Schule ist als Innovations- und Zukunftszentrum für Mechatronik und Robotik vom niedersächsischen Kultusministerium ernannt worden und das hat in dem speziellen Bereich der Fabrikautomation dazu geführt, dass wir uns auf einem sehr modernen Stand der Industrie befinden und hervorragende Möglichkeiten der beruflichen Aus- und Weiterbildung besitzen, um junge Leute a) zu motivieren für technische Bildungsgänge auch im Rahmen von Orientierungsmaßnahmen, aber natürlich auch junge Leute, die sich in beruflicher Erst- oder Weiterbildung befinden, mit Systemen vertraut zu machen, wie wir sie auch in Industrieunternehmen vorfinden. Das was sie hier vorfinden im Unterricht finden sie eins zu eins in den Unternehmen wieder."
Ein System, das die Auszubildenden dieses Jahrgangs offensichtlich bereits ziemlich perfekt beherrschen. Souverän und professionell erklären die drei Auszubildenden Marcel Kracht, Stefan Raufhake und Daniel Küthe etwa, wie Programmierung und Robotertechnik funktionieren. In dieser Klasse sind die Jungs ganz unter sich. Das ist nebenan bei den Elektronikern ein ganz klein wenig anders: Hier büffelt auch eine Schülerin: Christina Patterson. Die 22-Jährige lernt Elektronikerin für Automatisierungstechnik und erklärt, warum sie nicht einen typischen Frauenberuf gewählt hat, wie die meisten ihrer Freundinnen. "Ich bin handwerklich nicht gerade schlecht gewesen und ich wollte gern etwas im Handwerk machen, weil ich gemerkt habe, nur im Büro zu sitzen, das wäre nichts für mich. Ich finde den Beruf nicht kompliziert, weil meine Lieblingsfächer immer Mathe und Physik waren. Es ist einfach faszinierend, wie die Technik mit dem Menschen zusammenarbeiten muss."
Noch sitzen höchstens ein bis zwei Mädchen in den Klassen dieses Berufsschulzentrums. Dieses ungleiche Verhältnis soll sich jedoch in Zukunft zugunsten der Mädchen ändern, wenn es nach Johannes Brockmeyer geht: "Das ist ein großes Potenzial. Die jungen Frauen, die wir in technischen Ausbildungsgängen haben sind, sind häufig die erfolgreichsten, sind häufig diejenigen, die außerordentlich leistungsstark sind und wir müssen Sorge tragen, dass wir dieses große Potenzial an Frauen für technisch gewerbliche Ausbildungsgänge in Zukunft gewinnen."
Auch dieser Herausforderung stellt sich das Berufsschulzentrum in Osnabrück daher mit großem Engagement, zumal die Erfahrungen, das bestätigt auch der Lehrer Andreas Böhne, die besten sind. "Die Mädchen werden in den Klassen gut aufgenommen und sorgen für ein gutes Klima. Die Tatsache, dass der Beruf vielfältige Betätigungsmöglichkeiten bietet, macht aus meiner Sicht deutlich, dass diess eigentlich ein Beruf ist, der noch für mehr Mädchen interessant sein sollte und könnte."
Link: Berufsbildende Schulen des Landkreises Osnabrück Brinkstraße
Weiterführende Links
- Berufsbildenden Schulen des Landkreises Osnabrück
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