Muttersprache Deutsch und Türkisch - zur Kritik an den Aussagen des türkischen Ministerpräsidenten Edogan
02.03.2011 Artikel
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Mit seiner Aussage: "Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst gut Türkisch lernen", hat der türkische Ministerpräsident bei seiner Rede in Düsseldorf heftige Kritik ausgelöst. So hat dies u.a. der deutsche Außenminister, Guido Westerwelle, kritisiert, in dem er forderte, dass die Kinder die in Deutschland groß werden, zu allererst Deutsch lernen müssen. (Hinweise auf einige Medienberichte folgen.)
Anmerkungen:
Was ist denn an der Aussage von Herrn Edogan eigentlich anstößig?
Es ist doch völlig richtig und und auch menschlich verständlich, wenn in der türkischen Familie türkisch gesprochen und die Kinder selbstverständlich Türkisch als Muttersprache er-leben. Es ist doch auch hinlänglich belegt, dass die Muttersprache "der Schlüssel" zu sich selbst ist und der Öffner für die Begegnung mit anderen. Was steckt hinter der Aufregung? Mangelt es an der Wertschätzung von Menschen aus anderen Kulturen? Mangelt es an Erkenntnissen aus der Entwicklungspsychologie? Wird es nicht akzeptiert, wenn Kinder aus Migrationsfamilien aus Italien, Spanien, England oder China, die jeweilige Muttersprache sprechen und dies sogar als "bilingualer" Sprachvorteil eingeschätzt?
Wird es nicht als "normal" angesehen, wenn in deutschen Familien im Ausland selbstverständlich Deutsch als Muttersprache gilt und nicht die jeweilige Landessprache für die Kommunikation eingesetzt wird? Wieso gibt es im Ausland deutsche Schulen?
Beachtlich erscheint es u.a., dass es in NRW bis zum Jahr 2005 noch Förderungen gab, mit denen die Bedeutung der Muttersprache von Kindern u.a. durch den zusätzlichen Einsatz von "muttersprachlichen Fachkräften" in Tageseinrichtungen - wenn auch nur in beschränktem Umfang - gefördert wurde. Diese Förderprogramme wurden eingestellt und durch mit dem Sprachstandsfeststellungsverfahren "Delfin" ersetzt, bei dem bei Kinder mit Migrationshintergrund "Deutsch als Fremdsprache" getestet wurde. Ausgangspunkt war zu diesem Zeitpunkt die im Koalitionsvertrag von CDU und FDP die Aussage, dass in Deutschland die Muttersprache Deutsch sei. Dies ging bereits an der Lebensrealität der nicht nur in Nordrhein-Westfale lebenden Menschen vorbei.
Weiterführende Links
- Tagesschau.de
- Spiegel-online
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